ZEIT: Können sich jetzt die Verbraucher und Steuerzahler der EG freuen, weil sie nicht länger die Last der Lagerhaltung finanzieren müssen?

Schlier: Keineswegs. Die angeblichen Erfolge beim Abbau der Agrarhalden beruhen auf einer ungeheuren Verschleuderung und Vernichtung von unverkäuflichen Produkten. Allein das Buttergeschäft mit der Sowjetunion, 500 000 Tonnen zu etwa 45 Pfennig pro Kilo, kostet den deutschen Steuerzahler soviel, wie der Staat ihm durch die Erdgassteuer abverlangt, nämlich etwa eine Milliarde Mark.

ZEIT: Der Butterberg schmilzt, gleichzeitig wächst der Rindfleischberg. Hat das System?

Schlier: Der Aufbau von neuen Verlustproduktionen als Ersatz alter Verlustproduktionen ist ein Merkmal dieser agrarpolitischen Planwirtschaft. Damit wird man leben müssen, solange man die Preise und die übrigen Stützungsmaßnahmen so attraktiv hält.

ZEIT: Dann ist der Abbau des Butterbergs ein ganz zweifelhafter Erfolg?

Schlier: Der Schwindel ist, daß gleichzeitig die Überschußproduktion in der Europäischen Gemeinschaft auf hohem und teurem Niveau fortgesetzt wird. Die unverkäuflichen Berge und Seen bei Butter, Rindfleisch, Getreide und Wein sind ja nur der sichtbare Teil der Überproduktion. Vor allem aber wird der Export von Agrargütern regelmäßig subventioniert. Selbst wenn alle Agrarberge abgebaut wären, würde sich deshalb die Lage kaum bessern: Dann würden erstens die Preise angehoben – Agrarminister Kiechle hat das schon angedeutet. Und zweitens bliebe eine jährliche Überschußproduktion von rund zwanzig Prozent bei Getreide, von fünfzehn bis zwanzig bei Milch, von etwa dreißig Prozent bei Zucker und von etwa zehn bis fünfzehn Prozent bei Wein.

ZEIT: Heißt das, daß in wenigen Jahren die Überschußberge wieder angewachsen sein werden?