Die Qual der Wahl haben Sparer, die sich festverzinsliche Wertpapiere zulegen wollen. Es gibt nämlich viele verschiedene Arten, und immer wieder begegnen einem neue. In jüngster Zeit wird deutschen Anlegern zusehends häufiger eine recht ausgefallene Variante angeboten, die hierzulande noch weithin unbekannt ist. Beamte des britischen Finanzministeriums entwickelten sie 1981. Mittlerweile macht ihr Anleihevolumen 12,5 Milliarden Pfund aus, rund vierzig Milliarden Mark. Fast zehn Prozent der britischen Staatsschulden werden damit finanziert. Es ist die sogenannte Indexanleihe, die es außerdem in Irland und Australien gibt.

Ebenso wie bei einer Bundesanleihe wird die Indexanleihe zwar mit einem festen Zinssatz ausgestattet, allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Finanzminister Gerhard Stoltenberg läßt auf die Bundesanleihe den Nominalzins drucken. Dieser Zins enthält insofern ein Inflationsrisiko, als die Höhe der jährlichen Rückzahlung schon bei der Ausgabe der Anleihe für die gesamte Laufzeit festgesetzt wird – egal wie sich die Geldentwertung tatsächlich entwickelt.

Auf dem britischen Papier hingegen steht der Realzins, mit anderen Worten der um die Inflation bereinigte Nominalzins – beispielsweise "real 2,5 Prozent". Der Kapitalbetrag der Anleihe wird dabei in regelmäßigen Abständen um die Inflationsrate erhöht, die zu den Zinsterminen fälligen Beträge stehen dementsprechend nicht von vornherein fest, sie richten sich vielmehr nach dem Preisindex. Kapital und Zinsen steigen also mit der Inflation.

Bei herkömmlichen Anleihen ist die zukünftige Geldentwertung für Anleger und Staat, oder besser Gläubiger und Schuldner, die entscheidende, leider aber unbekannte Größe. Wenn die Inflation niedriger ist als erwartet, steigt der Verdienst des Gläubigers; bei steigender Inflation indes stellt sich der Schuldner durch die Entwertung seiner Geldschuld besser.

Von der Indexanleihe profitiert der risikoscheue Anleger, weil er sich nicht um die Inflation sorgen muß. Dieses Risiko nimmt ihm der Staat als Schuldner ab. In Großbritannien, Irland und Australien sind die Indexanleihen deshalb recht beliebt. Sie laufen über mehr als dreißig Jahre und dienen vornehmlich als private Altersvorsorge. Nicht umsonst heißen diese Rentenwerte im Volksmund auch granny bonds – Großmutters Wertpapiere.

Für bundesdeutsche Sparer lohnt sich der Kauf derartiger Indexbonds nicht. Zwar wäre das Inflationsrisiko des jeweiligen Landes ausgeschlossen. Das Währungsrisiko bliebe hingegen bestehen, weil das Kursverhältnis etwa von Mark zu australischem Dollar nicht nur von den Inflationsraten beider Länder bestimmt wird. Das Kalkül deutscher Sparer könnte allerdings schon anders aussehen, wenn es hierzulande Indexanleihen gäbe.

Das hat die Bundesbank als Genehmigungsbehörde bislang allerdings verhindert. Entsprechend ihrer Grundsätze "werden Klauseln nicht genehmigt, nach denen der geschuldete Betrag von der künftigen Entwicklung der Lebenshaltungskosten (einem Preisindex für die Lebenshaltung) abhängig sein soll". Die Frankfurter Währungshüter begründeten ihr Veto schon 1971 im Aprilbericht damit, daß "eine massenhafte Ausbreitung solcher Klauseln bis hin zu indexgesicherten Anleihen, Sparguthaben und Krediten die Währungsordnung wie auch die Abwicklung des Geld- und Kapitalverkehrs nachträglich beeinflussen würde".