Angesichts der steigenden Zinsen und der Dollarsorgen will es schon einiges bedeuten, wenn die deutschen Aktienkurse nicht fallen. Die Stabilität rührt in erster Linie von der geringen Abgabebereitschaft her.

Berufshandel und institutionelle Anleger hatten rechtzeitig zu höheren Kursen ihre Bestände verringert und warten nun auf eine günstige Gelegenheit, zurückkaufen zu können. Zur relativen Stabilität tragen auch Kaufaufträge aus dem Ausland bei, die ausreichen, um ein tiefes Abrutschen der deutschen Aktien zu verhindern, auch wenn sich die Ausländer nur auf wenige Spitzentitel konzentrieren.

Dazu zählen nach wie vor die Papiere der Großchemie, die Deutsche Bank und eingeschränkt auch Siemens und Daimler. Der Daimler-Kurs hat sich allerdings noch nicht erholt, obwohl die Meldung über bevorstehende Kurzarbeit dementiert wurde.

Am Bankenmarkt verstärkte sich die Vorsicht, nachdem die Dresdner Bank für das erste Halbjahr 1988 einen weiteren Rückgang des Teilbetriebsergebnisses eingeräumt hatte. Da dies kein Einzelfall zu sein scheint, ist die Zurückhaltung gegenüber Bankaktien verständlich. Eines steht für die Börsianer fest: Höhere Bankdividenden wird es für 1988 nicht geben.

Dividendenhoffnungen machen sich die Börsianer aber bei BASF, Bayer und Hoechst. Mannesmann, Thyssen und Hoesch haben bereits höhere Ausschüttungen angekündigt. K. W.