In Bonn ist es staubig, heiß und leer. Seit auch Helmut Kohl seinen Regierungssitz verlassen hat, liegt das Bundesviertel so ausgestorben da wie die Kulisse eines längst abgedrehten Films. Freilich, bevor er wieder an den Wolfgangsee wechselte, hat der Kanzler noch einmal das gewaltige Panorama aufgebaut, das ihm vor Augen steht: Mehr als zwei Stunden Pressekonferenz, ein neuer Rekord.

Aber merkwürdig, schon nach ein paar Tagen wirken die Zeitungsseiten, die darüber berichten, so vergilbt, als hätten sie zu lange in der Sonne gelegen. War überhaupt was? Das Panorama zeigt keine Botschaft, sondern zerfällt in lauter Einzelbilder.

So auch die Schlagzeilen: "Kohl will Reformen auf keinen Fall verschieben" – "Kündigt Nationale Europakonferenz an" – "Greift Angebot des Warschauer Pakts zu gemeinsamer Umweltschutz-Politik auf" – "Wehrt sich gegen unsinnige Kritik" – lauter Splitter, aber kein Rahmen.

Daß der Kanzler mit seinem Sturzbach aus Wörten keinen mitreißt, vielmehr seine Suada jeden "Sinnzusammenhang" wegschwemmt – das beklagen, stets aufs neue, auch seine Berater.

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Immerhin, seit dem Bubenstück der hessischen Parlamentarier hat ein Uraltthema wieder Konjunktur: die Diäten. Da nimmt es sich wie ein leuchtendes Gegenbeispiel aus, wenn prominente Bonner Sozialdemokraten die jüngste Erhöhung ihrer Abgeordnetenbezüge einer Dortmunder Initiative zur Wiedereingliederung von Dauerarbeitslosen zukommen lassen wollen. Und sie wollen nicht nur Gutes tun, sondern reden auch kräftig darüber.

Bei näherem Zusehen indes wirkt ihr Beispiel so leuchtend nicht. Schließlich sind die eigentlichen Diäten, neben den Zuschüssen für Sach- und Personalaufwendungen, als Entgelt der parlamentarischen Tätigkeit bestimmt, die für sehr viele zum Alleinberuf geworden ist. Daraus sollen sie ihren persönlichen Lebensunterhalt bestreiten können, der bei nicht wenigen, je nach familiärer oder sozialer Situation, nicht überaus üppig ausfällt.