Bedauern: Brüssel bereitet sich auf den Abschied von Lord Cockfield vor, dem britischen Vizepräsidenten der EG-Kommission. Zwar werden zum Jahresende die meisten der 17 Kommissionsmitglieder von ihren nationalen Regierungen ausgewechselt, aber keinem von ihnen gilt soviel ehrliches Bedauern wie dem 71jährigen Cockfield. Weil er sich wie kaum ein anderer mit seiner persönlichen Überzeugungskraft und jugendlich wirkenden Begeisterungsfähigkeit für die Idee des Binnenmarktes ("Europa 1992") einsetzte, war er für alle diejenigen, die Großbritannien trotz Margaret Thatcher für Europa noch nicht verloren geben, ein Unterpfand der Hoffnung. Die Premierministerin verachtete ihn dafür. Zu seinem Nachfolger ernannte sie Leon Brittan: Der 1986 zurückgetretene Industrieminister hatte sich in der Affäre um die vom Konkurs bedrohte Helikopterfirma Westland zum Wohle der Regierungschefin geopfert und erhielt jetzt den Lohn für seine Gefolgstreue. Vorsichtshalber ließ er schon verbreiten, er sei dennoch nicht ihr "Pudel".

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Guter Hoffnung: Wie konkurriert ein General mit einer werdenden Mutter? Benazir Bhutto, die Tochter des ehemaligen pakistanischen Präsidenten und Hauptwidersacherin von General Zia ul-Haq bei den pakistanischen Wahlen, die am 16. November stattfinden sollen, erwartet ihr erstes Baby. Das Datum der Geburt behält sie als Wahlkampf-Geheimnis für sich.

Schaukelpolitik: Durch ihre geopolitische Lage zwischen Orient und Okzident fühlen sich die türkischen Herrscher immer wieder zu diplomatischen Kabinettstückchen herausgefordert, Turgut Özal nicht ausgenommen. Als erster amtierender türkischer Regierungschef der Neuzeit ist er in dieser Woche zur Pilgerfahrt nach Mekka aufgebrochen. Vor zehn Jahren hätte ihn der Entschluß zu seiner frommen Reise vermutlich aus dem Amt gefegt.

Heute regt sich darüber nur hoch die dünne Schicht der türkischen Intellektuellen auf, die die laizistische Verfassung der Türkei in Gefahr und das Andenken von Atatürk beschmutzt sehen. Betreten, wenn auch nicht ohne Verständnis reagieren die Europäer, denen der praktizierende Muselmane Özal mit dem türkischen Antrag auf volle Mitgliedschaft in der EG im Nacken sitzt. Nach wie vor fällt ihnen keine schlüssige Antwort auf die Preisfrage ein: Wohin gehört die Türkei? Nach Asien? Nach Europa?

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Ärger: England, sonst so gelassen, fühlt sich von Heinrich Baron Thyssen-Bornemisza an der Nase herumgeführt. Da der Baron, um dessen weltberühmte Kunstsammlung sich neben Großbritannien auch Spanien, die Bundesrepublik, die Schweiz und die Vereinigten Staaten bewerben, vorzugsweise mit Regierungschefs und gekrönten Häuptern verkehrt, hatten die Briten außer Margaret Thatcher persönlich auch noch den Prinzen von Wales in die Bilderschlacht geworfen – vergebens. Die Sammlung geht – bis auf weiteres? – nach Spanien. Dort gibt es nicht nur einen König, sondern auch noch eine spanische Ex-Frau Thyssen. War sie der Joker?