Zwischen Sonntagsarbeit und Sonntagsarbeit liegen offenbar Welten. Jedenfalls für den Stuttgarter Regierungspräsidenten Manfred Bulling. Als er im Frühjahr Sonntagsarbeit – zunächst vorläufig – beim Computerkonzern IBM in Sindelfingen genehmigte, hatte er, verwirrend genug, angekündigt, er werde den Schutz des Sonntags auf allen Ebenen konsequent verfolgen.

Opfer seines Drangs, die Sonntagsruhe – außerhalb der IBM-Werkshallen, versteht sich – zu wahren, sind nun Flohmarkthändler und nicht zuletzt die Trödelfans. Sie müssen in Zukunft auf dieses Vergnügen an Sonn- und Feiertagen verzichten. Durch solche Veranstaltungen sieht der Stuttgarter Beamte nämlich den allgemeinen sonntäglichen Frieden bedroht. Märkte, so sein Verdikt, sind Kommerz, und davon will er den Sonntag freihalten. So einfach ist das. Oder nicht?

Kinos, Bootsverleiher, Freizeitparks und Gaststätten sind vom Verbot ausgenommen. Dafür hat sich der Regierungspräsident eine bemerkenswerte Interpretation einfallen lassen. Wer damit Geld verdient, dient nicht dem schnöden Mammon, sondern der Freizeitgestaltung des Bürgers.

Dürfen in Zukunft Regierungsbeamte darüber entscheiden, welches Freizeitvergnügen dem Sonntag angemessen ist? Daß es bei IBM am Ende auch um wirtschaftliche Interessen geht, hat der Regierungspräsident wohl völlig verdrängt. Seine endgültige Genehmigung der Sonntagsarbeit hat Bulling sogar ausdrücklich an den Nachweis geknüpft, daß das Unternehmen durch die Siebentageproduktion kostengünstiger arbeiten kann. mhf