Von Heinz Blüthmann

Der große Unterschied in Zahlen liest sich so: Hamburg, die bevölkerungsreichste Stadt der Bundesrepublik, wird in diesem Jahre kaum mehr als sechs Millionen Fluggäste in Fuhlsbüttel zählen. Stuttgart, auch nicht die unbedeutendste Gemeinde, kann gerade mit vier Millionen rechnen. Frankfurt aber muß sich auf 25 Millionen Flugpassagiere einrichten.

Nur wenig übertrieben klingt deshalb, was ein Airport-Manager salopp so formulierte: Große Städte wie Hamburg und Stuttgart haben einen Flughafen, Frankfurt dagegen ist einer – mit großen Städten drumherum.

Mehr noch: Der Flughafen Rhein-Main, auf dem durchschnittlich in jeder Minute eine Maschine startet oder landet und dessen internationales Airline-Kürzel FRA auch vom Bodenpersonal in Tampa, Mombasa oder Katmandu im Schlaf hergebetet werden kann, ist selbst eine Stadt geworden, die fast wie eine frühkapitalistische Industrieansiedlung boomt.

Obwohl gerade erst Abfertigungsschalter für zusätzlich zwei Millionen Passagiere pro Jahr in Betrieb gingen, ist der Bau eines völlig neuen Terminals im Osten des Flughafengeländes beschlossen. Denn Hochrechnungen zeigen, daß Frankfurt im Jahr 2000 womöglich 35 Millionen Fluggäste zu bewältigen hat. Mit Anstückelungen hier oder dort ist es also nicht mehr getan. Für 1,2 Milliarden Mark soll deshalb bis 1992 auf dem ältesten Teil des Geländes ein völlig neues Empfangsgebäude entstehen, das jährlich bis zu zehn Millionen Passagiere durchschleusen kann. Baubeginn ist im Herbst dieses Jahres.

Da es längst eng geworden ist auf dem Flughafen, müssen für das Terminal Ost diverse Werft- und Cateringgebäude abgerissen und in den Südteil verlegt werden. Nur dadurch wird genügend Platz für Gebäude und acht Jumbos der nächsten Generation frei, die gleichzeitig anlegen können. Jeder dieser Riesenvögel wird bis zu achthundert Passagiere tragen. Um das tägliche Straßenchaos vor dem bestehenden Abfertigungsgebäude nicht noch weiter zu verschlimmern, ist für das Terminal Ost eine eigene Verbindung zur Autobahn geplant. Der Eindruck täuscht nicht: Praktisch wird auf dem nach London-Heathrow betriebsamsten Flughafen in ganz Europa ein weiterer Flughafen gebaut, nur ohne neue Start- und Landepisten.

Schon bisher galt der Rhein-Main-Airport als eine der größten Baustellen in der Bundesrepublik. Ergebnis: Zwischen der nördlich verlaufenden Ost-West-Autobahn und den Flughafenterminals ist nun auch der letzte Quadratmeter Boden bebaut. Das Sheraton-Hotel expandierte auf 2000 Betten und darf sich jetzt mit dem Titel "Größtes Hotel Europas" brüsten. Ein Stück weiter westlich entstand ein neues Parkhaus für 3000 Autos. Die Lücke dazwischen füllt nun nach nur eineinhalbjähriger Bauzeit das "Frankfurter Airport-Center", das auf 48 000 Quadratmetern Fläche Büros und Konferenzräume, einen Ausstellungstrakt namens "Permanenta", Ladenpassagen und Cafeterias beherbergt.