Vom Parteispendenskandal im Jahre 1984 bis zu der prinzipienlosen Diätenaffäre des hessischen Landtags in diesen Tagen ist die politische Kultur in der Bundesrepublik arg strapaziert worden. Wobei der tiefe Griff der hessischen Abgeordneten in die Tasche des Steuerzahlers zum eigenen Nutzen weit anstößiger ist, als es der Parteispendenskandal war, bei dem sich ja keiner der Parteivertreter persönlich bereichert hat. Also: Kein Wunder, daß das Vertrauen in die Parteien im Schwinden, der Zynismus der Bürger im Wachsen begriffen ist.

Wen, so fragen manche, repräsentieren diese Parteien denn eigentlich? Doch längst nicht mehr die verschiedenen sozialen Gruppen der Gesellschaft, sondern allenfalls Bürokratien. Sie haben riesige Apparate aufgebaut, engagieren PR-Büros, konsultieren Demoskopen. Bei anderen Bürgern, vor allem jungen, geht die Verdrossenheit viel weiter: Sie lehnen das bestehende System kurzerhand ab, hassen das "Parteiengezänk", verachten Kapitalismus, Materialismus und bürgerlichen Liberalismus. Um die Jahrhundertwende träumten ihre Vorfahren von einem Sonderweg: weder westliches Parteiensystem noch östlicher Marxismus. Die Heutigen haben noch immer nicht eingesehen, daß nicht das System unzulänglich, sondern der Mensch fehlsam ist. Es gibt kein allein selig machendes System. Es gibt nur eine Möglichkeit: zu versuchen, den Rechtsstaat, den wir besitzen – und der ein kostbares Gut ist – ständig zu korrigieren und nicht zuzulassen, daß er beschädigt wird. Dff