Experten unter sich

Kein Wunder, daß sich die britischen Unterhausabgeordneten für Fachleute in Alkoholfragen halten: Allein im Westminster-Palast stehen ihnen neun Bars für Grundlagenforschungen zur Verfügung. Zahlreich wie selten drängte es sie daher während einer Alkoholdebatte zu Redebeiträgen. Allgemeines Fazit: Im Vereinigten Königreich wird zu viel getrunken. Und da Trunkenheit die Ursache allen Übels in Großbritannien sei, müsse der Innenminister eingreifen. Minister John Wakeham, der eine Arbeitsgruppe zum Thema Alkoholmißbrauch leitet, glaubt allerdings, daß Alkohol – maßvoll genossen – gesundheitsfördernd sei. Er denkt demzufolge nicht daran, den Vorschlag des Labour-Abgeordneten Skinner aufzunehmen. Der wollte ein Zeichen setzen und die Bars im Parlamentsgebäude schließen.

Attraktives Parlament

Die französische Nationalversammlung ist für ihre häufig gelichteten Reihen bekannt. Der "Praktische Ratgeber", den nun alle neu- und wiedergewählten Abgeordneten erhalten haben, kann deshalb als Wink mit dem Zaunpfahl zur Präsenzsteigerung verstanden werden. Er enthält nicht nur detaillierte Pläne des Bourbonen-Palastes, auf daß jeder Deputierte den Ort seines Wirkens zumindest finde. Vielmehr wird versucht, mit Hin; weisen auf kostenlose Dienstleistungen die Parlamentarier anzulocken: Photokopiergeräte werden ebenso erwähnt wie der Anspruch eines jeden Abgeordneten auf einen Terminkalender und auf Zigarren mit dem Streifband Assemblée nationale. Schließlich stehen drei unterirdische Garagen sowie ein Fitneß-Zentrum zur freien Verfügung. Dort können sich die Sportlichen selbst in Kampfsportarten schulen; von Trainingsstunden für politische Hekkenschützen ist dabei nicht die Rede.

Freiheit in Etappen

Freiheit soll das Geschenk für loyale Staatsbürger sein, dachte sich die Regierung in Budapest, als sie das neue Paßgesetz beschloß, nach dem jeder Ungar ab Januar 1988 ins Ausland fahren darf, wann und wohin es ihm beliebt. Rechtskräftig Verurteilten allerdings bleibt das Reiserecht verwehrt. Und wenn davon auch Oppositionelle betroffen waren, die wegen ihrer Teilnahme am Aufstand von 1956 bestraft und bis heute nicht rehabilitiert worden sind, war es den Mächtigen gar nicht so unlieb. Bis jetzt. Bis KP-Chef Károly Grosz auf seiner Amerika-Reise Stellung beziehen mußte zum Hungerstreik, mit dem daheim acht Bürgerrechtler seine Tour begleiteten, um eine Änderung des Gesetzes zu erzwingen. Grósz mußte ein erstes Zugeständnis machen. Die "1956er" sollen in Zukunft reisen dürfen, versprach er, aber vor die Ausreise von Oppositionellen will er durch Einzelprüfungen auch weiterhin ein Veto setzen dürfen. Freiheit läßt sich wohl nur etappenweise durchsetzen.