Prinz Sihanouk mag an ein Einlenken der Chinesen nicht recht glauben. Jene Länder, die die Roten Khmer unterstützten, antwortete er auf Fragen der Washington Post, trügen die "volle Verantwortung für einen neuen Holocaust am kambodschanischen Volk". Nachdem er begriffen habe, welche Folgen ein vietnamesischer Abzug aus Kambodscha haben müsse, habe er mit den Roten Khmer "endgültig gebrochen". Den Vereinten Nationen, die bisher die Widerstandskoalition unter seiner nominellen Führung als rechtmäßige Regierung Kambodschas anerkannten, empfahl Sihanouk, den Sitz seines Landes in diesem Jahr vakant zu lassen. Seine Guerillaarmee werde das Bündnis mit der verhaßten Khmer Rouge allerdings nicht verlassen, weil dies die einzige Chance sei, die Kambodschaner in den thailändischen Flüchtlingslagern zu schützen.

Dort rekrutieren die Roten Khmer in der letzten Zeit verstärkt neue Partisanen. In den grenznahen Gebieten haben sie beträchtliche Waffenlager angelegt, Kämpfen mit den Vietnamesen sind sie allerdings ausgewichen. Nicht nur Sihanouk befürchtet, daß sich Pol Pots 35 000 Mann starke Guerillatruppe systematisch auf den Tag vorbereitet, da die Vietnamesen das Land verlassen haben werden. Ein internes Dokument der Roten Khmer vom Dezember 1986, das in Washington zirkuliert, läßt ein Bedauern über frühere Verbrechen nicht erkennen und verspricht für die Zukunft nichts Gutes. Zwar, so heißt es in dem Papier, habe man die Unterdrückung "etwas übertrieben", aber letztlich sei die eigene Herrschaft doch die "beste" Periode in der 2000jährigen Geschichte Kambodschas gewesen. Kein Wunder also, daß Prinz Sihanouk dem Bündnis mit den Roten Khmer nicht länger seinen Namen leihen will, um diesen "Glaubwürdigkeit und Legitimität" zu verschaffen.

Der Prinz weiß, daß es ohne ihn keine Lösung in Kambodscha geben kann. Sihanouk wartet seit 18 Jahren auf die Rückkehr nach Phnom Penh. Jetzt arbeitet die Zeit für ihn. Von Paris aus kann er das Ringen um einen Kompromiß gelassen verfolgen. Dort hat ihm die französische Regierung gerade offiziell die ehemalige Residenz des kambodschanischen Botschafters als kommodes Quartier überlassen. Matthias Naß