Der starke Mann der Contras, Oberst Enrique Bermüdez, ist in der vergangenen Woche in das politische Führungsgremium der antisandinistischen Kämpfer gewählt worden. Zwar will er den militärischen Oberbefehl niederlegen. Aber einige Unterkommandanten sind unter Protest zurückgetreten. Bermüdez – das sei der Somozismus, den sie so wenig vertreten wollen wie den Sandinismus.

Die Wahrheit scheint weniger dramatisch. Das politische Kommando der Contra ist so schwach wie zerstritten und kann einen starken Mann gebrauchen, mit dem sogar Nicaraguas Regierende verhandeln wollen. Und daß Bermüdez sich ein politisches Mandat verschafft, deutet auch darauf hin, daß er wenig Hoffnung hegt, mit neuer Geld- und Waffenhilfe der Vereinigten Staaten den Kampf noch einmal aufnehmen zu können.

Die Zeichen stehen also auf Verhandlung, freilich nicht auf Erfolg. Fast ein Jahr ist der mittelamerikanische Friedensvertrag alt, aber die wichtigsten Fragen sind immer noch nicht gelöst. Die Contra verlangt und die Sandinisten verweigern grundlegende Veränderungen vor einer Übergabe der Waffen; Demokratie gegen Frieden – die Zauberformel des Friedensvertrages wartet noch auf Erfüllung.

Doch beide Seiten wollen den Dialog fortsetzen. Sie müssen es: Der Contra fehlt es an Waffen und Geld, die Sandinisten sehen keine andere Chance, die wirtschaftliche und soziale Misere zu meistern. Das hat ein Mann wie Bermüdez klar erkannt, der offenbar an einen militärischen Sieg nicht mehr glaubt. Die Zeit drängt jetzt: Nicaraguas Nachbarn werden ungeduldig, und wenn der neue Präsident der Vereinigten Staaten Michael Dukakis heißen sollte, können die Contra vorerst nicht einmal mehr auf "humanitäre Hilfe" rechnen – die im Klartext heißt: Geld, damit die Kampfgruppen zusammenbleiben, bis entschieden ist, ob sie noch gebraucht werden. bi