Die Bundesbank wittert an allen Ecken Gefahr für die Preisstabilität. Reagiert sie zu heftig, ist die Konjunktur gefährdet.

Wenn die Bundesbank den Diskont- oder Lombardsatz variiert, dann heißt der gängige Kommentar: Die Währungshüter setzen ein Zinssignal. Das ist zweifellos ihre Absicht. Sie wollen die Mark stützen oder zum Ausdruck bringen, daß sie keine Stütze braucht. Sie wollen die Nachfrage dämpfen oder ihr Impulse geben. Sie wollen die Geldmenge ausweiten oder ihren Zuwachs bremsen. Das Problem ist nur: Mit der Absicht ist es nicht getan, die Signale müssen auch richtig verstanden werden.

Mehrfach in den letzten Wochen hat die Frankfurter Währungsbank Zinssignale gesendet, das bisher letzte in der vorigen Woche. Sie erhöhte den Lombardsatz und verteuerte damit gewisse Kredite für Banken. Mit anderen Worten: Geld soll knapper werden. Das eigentliche Signal gilt jedoch schon geraume Zeit den Devisenmärkten: Steigende Zinsen sollen die Mark für ausländische Anleger attraktiver machen. Sie hat nämlich im Vergleich zum amerikanischen Dollar an Wert eingebüßt, ist also abgewertet worden – und das sieht die Bundesbank gar nicht gerne.

Unverkennbar ist aber, daß ihr Signal bisher ohne spürbare Wirkung geblieben ist. Der Dollar bleibt auf Höhenkurs, Anfang der Woche kostete er 1,877 Mark. Seit Wochen hält der Auftrieb der amerikanischen Währung schon an, und alle, die Dollar kaufen, scheren sich nicht um die Zinssignale aus Frankfurt.

Doch blieb der Bundesbank überhaupt etwas anderes übrig, als die Zinsen heraufzusetzen? Mußte sie nicht wenigstens den Versuch unternehmen, den Dollar zu bremsen? Schließlich verlangt alle Welt von den Amerikanern, sie sollten mehr exportieren, und dazu brauchen sie einen billigen Dollar. Ein teurer Dollar läßt außerdem bei uns die Importpreise klettern und kann damit die Stabilität des Preisniveaus ins Wanken bringen. Also Augen zu und Zinsen hoch – bis der Dollar reagiert?

Solcher Eifer wäre blind. Das gilt einmal für das Handelsbilanzargument. Die USA haben einen Teil ihres Außenhandelsdefizits bereits wettgemacht, gerade auch im Warenaustausch mit der Bundesrepublik. Gleichzeitig sind die Exportüberschüsse der Bundesrepublik rückläufig. Zum andern muß man schon Gespenster sehen, will man eine jährliche Rate der Preissteigerung um ein Prozent als Bedrohung für die Preisstabilität interpretieren. Andere Länder beneiden uns um ein solches Ergebnis, zumal es zur Zeit in keiner Weise gefährdet scheint.

Politische Argumente wie Instrumente verlieren ihre Wirkung, wenn sie leichtfertig verwendet werden. Es macht keinen Sinn, ständig von einer Inflationsgefahr zu reden, die nicht akut ist. Es ist fahrlässig, an der Zinsschraube zu drehen, wenn damit nichts bewirkt wird. Im Ernstfall müßte die Dosierung dann so groß sein, daß die Gefahr des Übersteuerns droht.