ZEIT: In Zukunft wollen Sie sowohl die Umwelt als auch Hausarbeit bei der Berechnung des Bruttosozialprodukts erfassen. Aus welchem Grund?

Holder: Das Bruttosozialprodukt erfaßt bisher nur wirtschaftliche Vorgänge, die in Geld bewertet werden. Die Hausarbeit ist zwar auch ein wirtschaftlicher Vorgang, der bisher aber nicht erfaßt werden kann, weil da kein Geld hin und her fließt, der Bewertungsmaßstab also fehlt. Die Umweltfrage betrifft einen anderen Sachverhalt. Da geht es uns um eine Art ökologischer Gesamtbilanz.

ZEIT: Was heißt das?

Holder: Bisher wird die Umweltdiskussion doch immer nur durch einzelne sogenannte Skandalsituationen oder plötzlich auftretende Problemfälle beherrscht. Es geht uns darum zu berechnen, welche Umweltsituation überhaupt durch menschliche Tätigkeit entsteht. Das ist nicht immer in Mark und Pfennig zu erfassen. Da wird man unter Umständen andere Maßstäbe finden müssen.

ZEIT: Es gibt ja schon heute Untersuchungen, wonach die Beseitigung von Umweltschäden bereits zehn Prozent des Bruttosozialproduktes ausmacht.

Holder: Das ist bei der Wirtschaftsberichterstattung zunächst einmal ohne Bedeutung. Nehmen Sie beispielsweise einen Autounfall. Es mag vielleicht verwundern, daß die Reparatur zum Wachstum des Bruttosozialproduktes beiträgt. Aber die Werkstatt arbeitet und verdient dadurch Geld. Deshalb wollen wir ja die Nebenrechnung beginnen, in der man auch den Verlust bestimmter Dinge – zum Beispiel Gesundheit – in Rechnung stellt.

ZEIT: Wie wollen Sie Hausarbeit bewerten?