Von Hanno Kühnert

Sie versteht viel von der Dritten Welt, von Armutsbekämpfung und Entwicklungshilfe und fremder Mentalität. Gleichwohl, und trotz langer und intensiver Mitarbeit, sieht sich die 44jährige, in Berlin lebende Wissenschaftlerin Claudia von Braunmühl heute von den Entwicklungshelfern in Bonn düpiert.

Es ist nicht das erste Mal, daß Claudia von Braunmühl, die Cousine des ermordeten Bonner Diplomaten Gero von Braunmühl, mit Ablehnung konfrontiert wird. Denn sie ist eine "Linke" und eine Feministin, und das programmiert hierzulande immer noch Schwierigkeiten.

Claudia von Braunmühl erinnert sich an eine Geschichte aus Belutschistan, wo sie Projekte der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) zu kommentieren hatte. In ihrer Gruppe war sie die einzige Frau. Als ihr eines Abends ihre Begleiter erklärten, die Delegation sei zu einem Empfang eingeladen, zu dem aber nach Landessitte nur Männer gehen könnten, weshalb sie leider im Hotel bleiben müsse, schluckte sie ihren aufsteigenden Groll zunächst herunter. Am nächsten Tag bat sie ihre Kollegen, sich eine amerikanische Delegation in Südafrika vorzustellen: drei Weiße mit einem schwarzen Kollegen; ob die drei weißen Amerikaner wohl zu einem Empfang gehen sollten, von dem Schwarze ausgeschlossen seien... Die Kollegen besannen sich; die ganze Gruppe blieb der Party fern.

Die Episode ist typisch für Claudia von Braunmühl, typisch für ihre gescheite Selbstbeherrschung im Augenblick der Emotion, für ihr diplomatisches Geschick. Aber auch für die Sprödigkeit, die, mit einem Hauch von eigenbrötlerischer Renitenz, das Leben der Claudia von Braunmühl bestimmt – und erschwert.

Sie stammt aus einer schlesischen Familie, wurde in Kattowitz geboren. "Wenn sich Leute am Bahnhof umarmen, ist meine unmittelbare Assoziation: die gehen in den Krieg, die sehen sich nie wieder." Flucht und Armut prägten die Kindheit nach dem Krieg. In Kassel wuchs sie auf, war während der Schulzeit ein Jahr an der High-School in Fort Worth in Texas.

Als sie nach dem Abitur in Berlin Politikwissenschaft studiert habe, sei sie, damals verlobt mit einem Monarchisten, noch konservativ gewesen, erzählt sie lächelnd. Das änderte sich in Frankfurt, wo sie sich als Uni-Assistentin "das wissenschaftliche Instrumentarium erarbeitete" – das der Frankfurter Schule.