Die Führung des Iran fürchtet spontane Aktionen der Radikalen und Enttäuschten

Von Andreas Weiss

Teheran, Ende Juli

Die iranischen Aufpasser konnten ihre Freude kaum unterdrücken, die Gastgeber – kurdische Peschmerga-Kämpfer in ihrem iranischen Koordinationsbüro in Urumiye – aber zeigten versteinerte Gesichter. Soeben war die Nachricht von der bedingungslosen Annahme der UN-Resolution 598 durch den Iran bekanntgeworden. Wie ein Blitz hatte sie eingeschlagen; nur Minuten nach der ersten Meldung kann es kaum einen Iraner mehr gegeben haben, der nicht von ihr wußte. Doch die gedrückte Stimmung von Masoud Barzani, dem Kurdenführer, zeigte, daß die Friedensbotschaft einen zwiespältigen Widerhall finden würde.

Für die Kurden Iraks bedeutet Irans Einlenken den abrupten Zusammenbruch aller Hoffnungen. An der Nordfront hatten sie die Hauptlast des Krieges zwischen Iran und Irak getragen, mit iranischer Logistik und Waffenhilfe Siege errungen. Längs der türkischen Grenze sei ein "befreites kurdisches Land" von der Größe Libanons entstanden, hieß es. Dafür waren sie ausgebombt und umgesiedelt worden, waren erstickt in giftigen Gasschwaden. Den Iranern waren die kurdischen Verbündeten nützlich, weil sie bedeutende irakische Truppenkontingente banden, weglockten aus dem Süden, von Basra, von der Halbinsel Fau. Nun haben sie wahrscheinlich als Instrument der iranischen Kriegsmaschine ausgedient, wie schon einmal 1975.

Den Friedensprozeß stören

Masoud Barzani will dennoch den Kampf fortsetzen. Er meint, die UN-Resolution ignoriere, daß es neben dem iranisch-irakischen Krieg einen zweiten, den Krieg gegen die Kurden gäbe. Ihr Kampf um nationale und demokratische Rechte sei kein Nebenprodukt des Golfkrieges.