In Wohnhäusern mag das radioaktive Radon-Gas eine so hohe Konzentration wie in den Kohlengruben erreichen, in denen dieses Zerfallsprodukt des natürlichen Urans-238 bei Bergarbeitern Tumoren hervorruft. Bislang aber waren Untersuchungen über das Krebsrisiko, das von dieser vermutlich stärksten Strahlenbelastung für die meisten von uns ausgeht, kaum möglich. Denn wegen der kurzen Lebensdauer des Gases – Halbwertszeit 3,8 Tage – war die empfangene Gesamtdosis nicht zu ermitteln. Darum ist der Befund von Christer Samuelsson, von der Universität Lund, bedeutsam, wonach die Menge des von den Wänden einer Wohnung bis dato abgegebenen Radons von den Festerscheiben – so sie inzwischen nicht erneuert wurden – ablesbar ist. Radon-222 zerfällt in eine Reihe von kurzlebigen Isotopen und dann zu Blei-210, das sich recht fest an Glas bindet. Dort zerfällt es schließlich zum stabilen Blei-206. Aus seiner Menge läßt sich errechnen, wieviel Radon über die Zeit aus den Wänden in die Zimmerluft geraten ist. "Brillenträger haben ihr persönliches Radon-Meßgerät stets bei sich", witzelt Samuelsson, "sofern sie ihre Gläser nicht allzuoft putzen". G.N.

*

Wer lieber mit der Hand schreibt, statt auf einer Tastatur zu tippen und dennoch die Vorteile genießen möchte, die ein Computer-Textsystem bietet, für den ist "Write-Top" das Richtige. Anstelle der Tastatur ist dieses handliche, von Linus Technology in Virginia konstruierte Gerät mit einem Flachbildschirm ausgestattet, auf den der Benutzer mit einem Lichtgriffel schreibt. Zeile für Zeile wird die Schreibschrift von "Write-Top" in Druckbuchstaben umgewandelt. Dies funktioniert auch bei Schreibern mit einer schwer entzifferbaren "Klaue". Freilich vermag sie der Apparat nicht auf Anhieb zu lesen. Ob gut oder schlecht lesbar – in jedem Fall muß das Ding erst einmal an die Schrift seines Benutzers gewöhnt werden. Das dauert etwa eine Stunde; fortan, so versichert der Hersteller, soll es dann keine Lesefehler mehr machen, es sei denn, der Schreiber verstelle seine Handschrift oder lasse jemand anderen auf der Maschine schreiben. -ow

*

Als Albert Einstein ihre Existenz vorhersagte, galt sie noch als höchst spekulativ, die Gravitationslinse: Schwerkraft, die wie eine optische Linse Licht- und andere elektromagnetische Strahlen zu beugen vermag. Inzwischen ist dieser, von gewaltigen Massen unsichtbarer Materie im Weltraum hervorgerufene, Linseneffekt mehrfach beobachtet worden. So auch jetzt wieder an der Europäischen Südsternwarte in Chile. Ein Quasar (Kürzel für quasistellare Radioquelle) offenbarte sich den Astronomen der ESO mit einer scheinbaren Helligkeit siebzehnter Größe in Form eines Kleeblatts, wie die neunköpfige Arbeitsgruppe von Forschern aus München, Heidelberg, Hamburg und Lüttich berichtet (Nature, 28. Juli 1988). Die riesige Entfernung des Objekts aber dürfte diese Helligkeit nicht zulassen, es sei denn, sein Licht würde von einer Gravitationslinse vervielfacht. Indirekt geben solche Linseneffekte Auskunft über das Schicksal des Weltalls, weil nur sie auf das Vorhandensein und die Menge dunkler Materie schließen lassen, die vermutlich an die 99 Prozent der Gesamtmasse des Universums ausmacht. Ist sie kleiner als eine bestimmte kritische Masse, so wird sich das Weltall für immer ausdehnen, ist sie aber größer, dann müßte sie die Expansion des Alls bremsen und allmählich zum Stillstand bringen. V.G.

*

Wenn Ratten ein spezielles, fettarmes Futter erhalten, ehe ihre Nieren in ein anderes Tier transplantiert werden, dann stößt der Organismus des Empfängertiers das überpflanzte Organ nicht ab. Dies liegt wahrscheinlich daran, daß die Spezial-diät für das Spendertier die Immunzellen der Nieren reduziert, die eine Reaktion gegen das Fremdgewebe in Gang bringen, meint George Schreiner, der an der Washington-Universität in St.Louis diese Rattenexperimente ausgeführt hat. Sein Befund legt die Vermutung nahe, das bestimmte Fettsäuren eine wichtige Rolle bei der Immunreaktion des Körpers spielen. Sollte sich dies als richtig herausstellen, erklärt Schreiner, dann wären uns damit neue Wege zur Verhütung der Abwehrreaktion gewiesen. V.G.