Sie verursachen bei den Fluggesellschaften Millionenschäden, und ihnen ist nur schwer beizukommen. Jetzt versucht man sie per Computer zu ermitteln: die No-Shows.

Als No-Shows werden alle Passagiere bezeichnet, die einen Platz reservieren und damit für den Verkauf blockieren, zum Abflug jedoch nicht erscheinen. Besonders unbeliebt sind dupes, wie Fluggäste im Fachjargon heißen, die zwei Maschinen hintereinander reservieren, um sich den Zeitpunkt ihres Fluges offenzuhalten.

Diesen doppelbuchenden Passagieren unter den No-Shows geht man seit einiger Zeit bei den großen Airlines per Computer an den Kragen: Der registriert zweifach aufgeführte Namen und druckt sie aus. Ein Angestellter geht daraufhin jede einzelne dieser Buchungen durch und überprüft nun Details wie Vornamen und Buchungsherkunft. Sind alle Angaben identisch, geht man von einer sicheren Doppelbuchung aus und streicht die zeitlich ältere Reservierung.

Bei geringem Zweifel wird die Spur zurückverfolgt zum Ursprungsort der Buchung. Das zuständige Reisebüro oder die Regionalstelle der Fluggesellschaft muß sich in diesem Fall persönlich mit dem Passagier in Verbindung setzen und den Verdacht bestätigen. "Von etwa 60 potentiellen Doppelbuchungen täglich sind drei Viertel offensichtlich und werden automatisch gestrichen. Der Rest muß nachrecherchiert werden", heißt es dazu bei British Airways. Daß dieser Aufwand betrieben wird, zeigt auch eine Anfrage beim Lufthansa-Stadtbüro in München: "Mehrere Stunden am Tag beschäftigt sich eine Kollegin mit telephonischen Rückfragen bei Doppelbuchungen", heißt es dort. Und ein PanAm-Sprecher klagt: "Die Zahl der Doppelbuchungen ist so hoch, daß konsequentes Nachforschen allein ein Full-time-Job wäre."

An der Verfeinerung des Systems wird ständig gearbeitet. Derzeit kann der Computer nur zu verkehrsschwachen Zeiten, vorzugsweise nachts oder frühmorgens, in Aktion treten. Und er erfaßt nur Doppelbuchungen, die am gleichen Tag gemacht wurden.

"Sieben Prozent der Passagiere sind No-Shows", davon geht man bei der Swissair aus. Ein Teil der Zahl dieser "Phantom-Passagiere" wird ausgeglichen durch die sogenannten Go-Shows-Passagiere, die kurz vor dem Abflug am Flughafen-Counter auftauchen und ein Ticket kaufen, ohne reserviert zu haben oder auf der Warteliste zu stehen.

Aus Erfahrung wissen die Fluggesellschaften, mit wie vielen No-Shows sie auf bestimmten Strecken und zu bestimmten Zeiten rechnen müssen. Hier wird gegengesteuert durch das sogenannte "Überbuchen". Erwartet man beispielsweise zehn No-Shows auf einem Flug, so werden zehn Plätze mehr als eigentlich Sitze vorhanden sind verkauft. "Das klappt bei 95 Prozent der Fälle. Der Rest wird mit Geld entschädigt und auf den nächsten Flug gebucht", sagt Günther Schmidt, Sprecher bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS.

Ilka Piepgras