Pretoria macht es den Freunden Südafrikas schwer, nicht in den allgemeinen Chor der Verdammung einzustimmen. Gleichgültig, ob es sich um die Berichterstattung der Medien handelt oder um oppositionelle Schwarze oder, wie jetzt, um einen einzelnen jungen Weißen, der sich dem Stellungsbefehl der Armee verweigert – die Regierung kennt grundsätzlich nur eine Antwort: Gewalt, Verbot, Gefängnis.

Der junge Südafrikaner David Bruce – dessen jüdische Mutter in der Nazizeit zwölf enge Verwandte in Deutschland verlor und die schließlich selbst nach Südafrika geflüchtet war – weigert sich, Soldat zu werden. Sein Argument: Die Armee werde im Rassenkrieg eingesetzt, und daran wolle er nicht teilhaben. Er mußte vor Gericht, erläuterte seine Gewissensnot, schlug alle Vorhaltungen aus und blieb standhaft. Der Richter verurteilte ihn zu sechs Jahren Gefängnis und erklärte, es stehe ja in Bruces freiem Willen, sich das Gefängnis zu ersparen; offenbar unterstellt er, daß auch andere ihr Gewissen ohne weiteres zum Schweigen bringen können.

Als der große, gutaussehende junge Mensch das Gerichtsgebäude verließ, riefen die Schwarzen: "Viva, Bruce, viva!" Und die Weißen, die dort standen, hoben den Arm mit geballter Faust, dem Zeichen der "Freiheitskämpfer" – dabei liefen ihnen Tränen über das Gesicht.

Südafrika hat bereits Hunderte, wahrscheinlich Tausende von jungen Männern verloren, die mehr oder weniger heimlich das Land verlassen, unter anderem auch, um nicht in den Townships gegen Schwarze eingesetzt zu werden oder in einem nie erklärten Krieg gegen Angola. Seit Jahren kämpfen sie vergeblich um die Einrichtung von "Ersatzdienst". Das kommunistische Polen hat den gleichen Kampf soeben auf liberalere Weise entschieden: Dort wird der "Ersatzdienst" eingeführt.

Dff