So steht es im Statut: "Zur Erinnerung an Dr. Gustav W. Heinemann, zur Würdigung seiner Verdienste als Bundespräsident und als Förderer der Friedensforschung und -erziehung verleiht das Land Nordrhein-Westfalen als Beitrag zur Verbreitung des Friedensgedankens den ursprünglich von der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung gestifteten Gustav-Heinemann-Friedenspreis."

Mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher 1988 wurde der holländische Autor Jan de Zanger ausgezeichnet. Aus rund 50 zur Wahl stehenden Titeln wählte die unibhängige Jury dieses Buch:

Jan de Zanger: "Dann eben mit Gewalt", aus dem Holl, von Siegfried Mrotzek; Anrich Verlag, Kevelaer; 159 S., 22,80 DM

Der Preis ist mit 10 000,– DM dotiert, Autor Jan de Zanger (der für dieses Buch auch schon mit einem Preis der Leseratten des ZDF ausgezeichnet wurde und der bei uns bereits mit den Büchern "Für ’ne halbe Tüte Drops" und "Wer war Ben?" Aufsehen erregte) erhält davon 8000,– DM, Übersetzer Siegfried Mrotzek 2000,– DM.

Die Geschichte, die im Dunstkreis einer holländischen Schule spielt, könnte so oder ähnlich auch bei uns stattfinden, denn sie handelt von der alltäglichen Ausländerfeindlichkeit, die in dieser Erzählung allerdings zu organisiertem Terror gegenüber farbigen Mitschülern und ihren Freunden eskaliert. Hakenkreuze werden an die Wände geschmiert, den Drohbriefen folgen brutale Überfälle, die rassistische White-Power-Bewegung scheint die gesamte Schülerschaft durchsetzt zu haben, einer der Drahtzieher ist ein faschistoider Lehrer. Lex Verschoor, Hauptfigur dieser Geschichte, versucht den Widerstand, als seine farbige Freundin Sandra zusammengeschlagen und gedemütigt wird. Sein Alleingang wird für ihn lebensgefährlich. Daß sich die farbigen Schüler zur Gegenwehr organisieren, daß sich Sandra von ihm entfernt, weil auch er ein Weißer ist: das begreift er spät. Und spät erkennt er auch, daß Gewalt in jedem Fall das falsche Mittel ist. Der Titel des Buches ist provokativ gemeint.

Eine spannende und mit authentischen Fakten belegte Geschichte; ein Lehrstück in Zivilcourage; ein erhellender, leidenschaftlicher und überzeugender Aufruf, den wachsenden Neo-Nazismus mit allen demokratischen Mitteln zu bekämpfen, ein starkes Stück Literatur für junge Leute, ein Stück Literatur mit Aktualität und Identifikationsmöglichkeit: Hier sah die Jury vor allem ihre Argumente, als sie sich für dieses Buch entschied. Dieses ist gewiß eine Entscheidung im Sinne Gustav Heinemanns und der Intention dieses Preises.

Jo Pestum