Honolulus Waikiki-Beach, einer der bekanntesten Strände der Welt, ist in Aufregung: Sein bekanntes Markenzeichen, die rikschaähnlichen Fahrradtaxis, Pedicabs genannt, sollen von August an aus Waikiki verschwinden.

Meterhohe Wellen, rauschende Palmen, sonnengebräunte Urlauber prägen das Phantasiebild von Waikiki. Deshalb pilgern jährlich vor allem amerikanische und japanische Feriengäste zu Hunderttausenden dorthin.

Doch Honolulus Prachtstrand ist nicht bloß die Realisierung des Traums von Ruhe und Erholung. Lärm, Abgase, Menschenmassen und ganz unhawaiianische Hektik gehören dazu. Waikikis Hauptstraßen, wo sich die großen Hotelpaläste drängen, sind überflutet vom Urlauberstrom. An all dem sollen die Fahrradtaxis, die jeder Reiseführer als Lokalattraktion preist, die Schuld tragen. Weshalb das behördliche Verbot gegenwärtig höhere Wellen als der Pazifik schlägt.

Die Pedicabs behinderten den Verkehr, ärgerten mit ihren laut plärrenden Radios die Anwohner, ihre Fahrer bedrängten mit ihrem um Kunden werbenden Geschrei die Besucher, welche häufig auch noch durch maßlos überhöhte Preise geprellt würden. So argumentieren die Stadtväter, allen voran Honolulus Bürgermeister Frank Fasi, der mit dem Pedicab-Verbot seine umstrittene Wiederwahl im Herbst abzusichern hofft. Ein Gesundheits- und Sicherheitsrisiko seien die Fahrradtaxis gar, meinte Fasi.

Anderer Meinung ist Pedicab-Fahrer Tom Koch: "Mit einem Riesenhammer wird ein Mikro-Nagel eingeschlagen." – "Diese Maßnahme ist Hawaiis unwürdig und wird Waikiki viel von seinem Charme nehmen", ergänzt Pedicab-Unternehmer Dan Webber. Es handle sich um einen "gemeinen Schlag gegen Kleinunternehmer", entrüsten sich Fasis politische Gegner. Wegen einiger "fauler Äpfel" dürfe doch nicht gegen eine ganze Branche vorgegangen werden. Um so weniger, als diese dazu beitrage, Urlauber vom Autogebrauch abzuhalten.

Doch die Stadtregierung zeigt sich unnachgiebig. Die Selbstregulierung durch die Pedicab-Betreiber (angemessene Fahrpreise, vernünftige Radio-Lautstärke) habe nicht funktioniert. Deshalb sei man nun zur Härte genötigt.

Überhaupt agiert Frank Fasi, was Tourismusprobleme betrifft, nicht eben feinfühlig. Eine Großattacke gegen japanische Immobilienspekulanten im Frühsommer war so allgemein gehalten, daß sie riskiert, japanische Urlauber zu vergraulen. Mit einer kurzfristig anberaumten Beschwichtigungsreise nach Japan versuchte der Bürgermeister den Schaden zumindest zu begrenzen. Aber auch das Pedicab-Verbot dürfte nicht dazu beitragen, die Kratzer auf dem Bild des lässiglockeren Lebensstils auf dem Archipel zu übertünchen.

Fredy Gsteiger