Nürnberg: "4. Internationale Triennale der Zeichnung / Saul Steinberg"

Nimmt man die Nürnberger Triennale als Gradmesser, dann hat sich im vergangenen Jahrzehnt zwar einiges ereignet, doch kaum etwas bewegt. Die zeichnerischen Perspektiven, welche die Arbeiten der heute etwa dreißigjährigen Künstler(innen) bestimmen, waren fast durchweg schon bei den damals etwa Dreißigjährigen sichtbar, die sich auf der ersten Triennale vorstellten. Die teilnehmenden Länder wechseln, am Gesamtbild ändert sich dadurch wenig. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man Unterschiede zu früher, der Realismus östlicher Prägung setzt sich nun stärker mit westlichen Realismus-Ansätzen auseinander, die neoexpressiven Tendenzen, nach wie vor en vogue, orientieren sich deutlicher an den Graphismen der sechziger Jahre, Figuratives neigt zur Bilderschrift und Konstruktives zum Design. Damit bestätigt Nürnberg nur, was andernorts auch erkennbar ist.

Das neue Reglement der Triennale beschränkt und konzentriert die Beiträge der einzelnen Länder (anstelle von maximal zehn Künstlern mit je drei Arbeiten wählen die Kommissare nun drei Künstler mit maximal je zehn Blättern aus), ein Verfahren, das den Teilnehmern erlaubt, sich vorteilhaft zu präsentieren. Nur wenige allerdings haben die Gelegenheit ausgenützt – die Engländer (Anish Kapoor, Andrew Penketz, Kate Whiteford), Gabriele Konsor aus der Bundesrepublik und Michael Kunert aus der DDR, der Österreicher Ulrich Waibel. Was sie machen, hat man auch schon mal gesehen, immerhin entsteht aber der Eindruck, sie hätten es spontan neu erfunden.

Das ist wohl der springende Punkt, wie Saul Steinberg, der diesmal bei der Triennale die Meister der Zeichnung vertritt, souverän beweist. Steinberg zeichnet seit Jahrzehnten in einem Stil, der immer wiederkehrende Ingredienzen enthält. Er benutzt immer dieselben Rezepte, die er elegant und einfallsreich variiert, man kennt seine Manierismen und freut sich doch bei jeder Begegnung auf das Altvertraute. (Kunsthalle, bis zum 2. Oktober, Katalog in zwei Bänden 48 Mark)

Helmut Schneider