Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen geht jetzt gegen einen Paradiesvogel des grauen Kapitalmarkts vor. Die Berliner Behörde verhängte ein vorläufiges Moratorium gegen das Bankhaus Steinhart KG in Pforzheim. Eigentümer des Kreditinstituts mit einem Geschäftsvolumen von 318 Millionen Mark ist der Anlage-Unternehmer Heinz Steinhart.

Nach Meinung des Bundesamtes sind bei der Bank eine Reihe von Krediten notleidend geworden und müssen wertberichtigt werden. Steinhart hat zwar inzwischen 5,5 Millionen Mark nachgeschossen; das Bundesamt akzeptierte die Gelder jedoch nur zu einem Teil als echte Eigenmittel. Jetzt ist das Bankhaus für jeden Kundenverkehr geschlossen.

Steinhart hatte zuvor schon für Unruhe bei Anlagespezialisten gesorgt. Er ist an zahlreichen Beteiligungs- und Treuhandgesellschaften beteiligt. Seine Spezialität sind Anlagen in Freizeit- und Bädereinrichtungen mit teilweise spektakulären Renditeversprechungen. Die Vertraulichen Kapitalmarktinformationen des Anlageexperten Heinz Gerlach berichteten Steinhart habe als Geschäftsführer der Eubama Maschinenbau ein Akkreditiv doppelt beliehen. Steinhart selbst sieht sich als Opfer einer gezielten Kampagne der Konkurrenz: Der Bundesverband deutscher Banken wolle sein Institut "gezielt zerschlagen", erklärte er. Bei der Staatsanwaltschaft Mannheim ist im übrigen zur Zeit ein Ermittlungsverfahren gegen Steinhart wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung anhängig (Aktenzeichen 611 Js 4/88).

Revolution bei Klöckner. Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Herbert Gienow,stößt unvermittelt auf heftigen Widerstand gegen seinen Plan, aus zwei Klöckner-Mehrheitsbeteiligungen eine leistungsfähige Sparte für Getränkemaschinen im Konzern aufzubauen. Harald R. Bruder, Chef der Mannheimer Seitz Enzinger Noll AG (SEN) – einem Getränkemaschinenhersteller, an dem Klöckner einen Anteil von 51 Prozent hält

kündigte auf eigene Faust einen Fusionsvertrag mit der Klöckner-Tochter Holstein & Kappert in Dortmund. Er will damit "Schaden vom Unternehmen abwenden". Der Fusionsvertrag war vor einem Jahr geschlossen worden, konnte aber wegen der Anfechtungsklage eines Kleinaktionärs nicht wirksam werden. Klöckner – und bis vor kurzem auch noch das SEN-Management – hatte sich von der Fusion umfangreiche Synergieeffekte erhofft. Branchenkenner rätseln jetzt über die wahren Gründe von Bruders Kehrtwende und dessen spektakuläre Rebellion gegen den Großaktionär. Sowohl SEN als auch die Konzern-Zentrale in Duisburg schweigen. Möglicherweise glaubt Bruder aufgrund besserer Geschäftsergebnisse, SEN habe allein die besseren Chancen.

Der Plan von Bundeswirtschaftsminster Martin Bangemann, das größte deutsche Unternehmen, Daimler-Benz, zum Einstieg beim Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) zu bewegen, findet inzwischen auch in der betroffenen Branche entschiedene Kritiker. Bernhard Schmidt, der Vorstandsvorsitzende des Munitions- und Panzerkettenproduzenten Diehl GmbH in Nürnberg, sieht dem Entstehen eines riesigen Waffen-Oligopolisten "mit Sorge entgegen".

Schmidt fürchtet dabei besonders die Verhandlungsmacht des künftigen Rüstungsriesen gegenüber der Bundesregierung: "Ein solches Bedarfsdeckungsmonopol ist nicht in den Griff zu bekommen." Wenn es keine Konkurrenz mehr gibt, weil die führenden Anbieter unter dem Daimler-Dach versammelt sind, wird es für die Bundeswehr "schwieriger; zu erträglichen Preisen zu kommen", glaubt Schmidt. Das Argument, der Rüstungsmarkt werde im künftigen europäischen Binnenmarkt zunehmend international, bezweifelt der Branchenkenner: "Ich kann mir nicht vorstellen, daß Großaufträge mit deutschen Steuergeldern ins Ausland gehen."