Vermag Paddy Ashdown, die zuletzt so arg ramponierte britische Zentrumspartei aus dem Tief herauszuführen? Sein überraschend klarer Sieg bei der parteiinternen Urabstimmung entspringt der Einsicht der Parteimitglieder, daß nur ein radikaler Neubeginn eine Wende zum Besseren bringen kann. Ashdowns Wahl zum ersten Parteichef der SLD, der Sozialen und Liberalen Demokraten, ist eine Absage an jene Politik des Lavierens und Taktierens, wem man – falls erforderlich – als Mehrheitsbeschaffer dienen solle.

Paddy Ashdown hat aus seiner Strategie keinen Hehl gemacht: Er wird vor allem den Konflikt mit Labour suchen. Es ist bezeichnend, daß er häufiger, als es vielen Liberalen lieb ist, seine Partei schlicht "Demokraten" nennt; er will keine leicht modernisierte und um Sozialdemokraten vergrößerte Version der alten liberalen Partei führen. Nicht zuletzt hat Paddy Ashdown gesiegt, weil er das besitzt, woran es,seinem Gegenspieler Alan Beith, einem grundsoliden, erfahrenen liberalen Parlamentarier mangelt: nämlich Charisma. Ashdown ist telegen, besitzt trotz seiner 47 Jahre den jungenhaften Charme eines Kennedy und kann auf einen bewegten Lebensweg zurückblicken. Er entstammt einer mittelständischen Kolonialfamilie, wurde Berufsoffizier bei einer Spezialeinheit der Royal Marine, kämpfte im Dschungel von Borneo gegen Aufständische. Später wurde er, der fließend Chinesisch und die Sprache der Kopfjäger auf Borneo spricht, Berufsdiplomat, um dann diese sichere Laufbahn ausgerechnet für die ziemlich windige Chance aufzugeben, liberaler Berufspolitiker zu werden. Im Jahre 1983 kam er ins Parlament.

Das Parteivolk war nun sogar bereit, dem action man den ziemlich abrupten Wechsel zu verzeihen, der bereits 1984 aus dem überzeugten Atomwaffengegner und Heroen der Friedensbewegung einen Multilateralisten machte.

J. Kr.