Wer 15 Jahre nur Rückschläge erlebt und Nackenschläge eingesteckt hat, übertreibt den Jubel leicht, wenn er endlich einmal wieder gelobt wird. Und Jubel herrscht bei den Vereinten Nationen im New Yorker Glaspalast, seit ihre Mitwirkung bei der Friedenssuche in Afghanistan und im Golfkrieg allgemein anerkannt wird. Frieden schaffen konnte die Weltorganisation zwar nicht; das übersteigt nach wie vor ihre Kräfte und Möglichkeiten. Aber sie konnte Wege mitbahnen, bei der Vermittlung helfen, Kriegsgegnern eine Plattform bieten, auf der sie ohne Gesichtsverlust miteinander verhandeln können.

Nach 15 Jahren Dürre also wieder fette Jahre? Der Generalsekretär dämpft allzu große Euphorie; er ist ein geduldiger Mann, den Erfahrung Bescheidenheit gelehrt hat. Gleichwohl hegt auch er berechtigte Hoffnungen.

Seit die Großmächte wieder miteinander reden, bestimmt der Ost-West-Gegensatz nicht länger vorrangig die Schlachtordnung: hier Washington, drüben Moskau. Nicht jeder Konflikt, nicht jede Sachfrage wird nach der Einstellung der Großen entschieden. Seit die Weltmächte – entweder allein oder gemeinsam – Kriegs- und Krisenmanagement betreiben, ist der Spielraum der Kleinen zugleich größer geworden.

Die Dritte Welt kann bei ihren vollmundigen Resolutionen, die Weltwirtschaft und die internationale Ordnung zu ihren Gunsten zu ändern, nicht mehr unbedingt auf Moskauer Schützenhilfe rechnen. Diese Einsicht wächst, daß mit bloßen Worten in den Vereinten Nationen die realen Machtverhältnisse nicht zu ändern sind. Realismus greift Platz in einer Phase, in der Realismus gefragt ist, eine Neubesinnung auf das Mögliche und Nötige, in manchen Fällen auch auf Bescheidenheit.

Nicht möglich war es den Vereinten Nationen, mit ihren Mitteln die Konflikte um Kambodscha, in Angola, am Golf und in Afghanistan zu beenden. Erst mußten die Kriegführenden ihre Kräfte erschöpft haben, mußten die Großmächte abziehen oder darauf verzichten, die Kämpfe als Stellvertreterkriege weiter zu fördern. Und erst mußten die Beteiligten erkennen, daß Waffen die Ursache, der ursprünglichen Konflikte nicht beseitigen.

Danach freilich war die UN gefragt – als Vermittler und Moderator. Und noch später, so steht zu erwarten, werden sie als Kontrolleure oder blaubehelmte Beschützer des Waffenstillstandes gebraucht werden – nicht als Friedensstifter, sondern als Bewahrer einer Waffenruhe, aus der eines Tages Friede werden kann.

Es wäre eine neue, bescheidenere Rolle der Völkerorganisation. An dem wichtigen Schritt vom Waffenstillstand zum Frieden würde sie nur noch mittelbar beteiligt sein. Denn ob Kambodscha oder Angola, Golf oder Mittelamerika: Die konfliktauslösenden Ursachen können nur von den streitenden Parteien, allenfalls von ihren Nachbarn beseitigt werden. Die nämlich haben das Interesse und in der Regel die nötige Kenntnis, die zusammen wirksame Hilfe ermöglichen.