Die sowjetische Republik Georgien ist um eine Attraktion reicher. Unter Federführung ausländischer Firmen entstand ein Wintersportzentrum mit Hotel, Kegelbahnen und österreichischem Bier.

Das neue Gebiet für Wintersportler liegt rund 90 Kilometer nördlich von Tiflis auf einer Höhe von 2000 Metern. Offiziell eröffnet wurde die Hotelanlage in der Nähe des kleinen Ortes Gudauri bereits, jedoch zunächst nur für eine kurze Probezeit. Geht es nach den Plänen der Marketing-Strategen, Mitarbeiter einer österreichischen Consulting-Firma, dann wird die Anlage am 1. November ihren Betrieb voll aufnehmen. Sie setzen dabei vor allem auf die Anziehungskraft der kaukasischen Landschaft: unverspurte Hänge zwischen 2000 und 3000 Metern Höhe und bis zu 50 Grad steile Abfahrten.

Schon Ende letzten Jahres wurden die vier Sessellifte installiert, die stündlich 5600 Personen bergwärts befördern können.

Zudem sollen bis zum Saisonende auch die Voraussetzungen für Helikopter-Ski geschaffen werden. Nach Meinung von Experten, die auch das kanadische Skigebiet gut kennen, seien die Hänge des Kaukasus zwar meist steiler und daher wohl auch lawinengefährdeter. Bei sorgfältiger Routenwahl, dem Aufbau eines Finknetzes, dem Einsatz geprüfter Berg- und Skiführer sowie der Stationierung zweier Aeroflot-Hubschrauber beim Hotel könne man Gudauri aber durchaus als Alternative für Heli-Skifahrer bezeichnen.

Um die Urlauber auch bei schlechtem Wetter bei Laune zu halten, haben die österreichischen Freizeitplaner für Gudauri ein hoteleigenes Animationsprogramm vereinbart. Es sieht vor, daß sich die eigens eingeflogenen, staatlich geprüften Skilehrer aus der Alpenrepublik auch am Abend um den Frohsinn der Kaukasus-Urlauber kümmern.

Darüber hinaus ist auch an den Aufbau einer sowjetischen Ski-Nationalmannschaft gedacht, die, wie es heißt, mit österreichischem Know-how gefördert werden soll. Drei internationale Rennen sind jedenfalls für 1989 in Gudauri schon geplant, des weiteren wird über Flugverbindungen mit Lufthansa und Austrian Airlines nach Tiflis nachgedacht.

Angesichts solcher Aussichten zeigen sich die österreichischen Berater derzeit voller Optimismus: "Gudauri ist gelebte Perestrojka."

Helga Fußgänger