Von Klaus-Peter Schmid

Kaum war Helmut Kohl in den Urlaub abgereist, da griff Regierungssprecher Friedhelm Ost eine Lieblingsidee seines Chefs auf: die Kombination von Umweltschutz und Schuldenerlaß für Länder der Dritten Welt, vor allem in Schwarzafrika. "Ich halte es für dringend geboten", so hatte der Bundeskanzler beim Weltwirtschaftsgipfel in Toronto doziert, "daß wir hier bald zu greifbaren Ergebnissen kommen."

Vor seinen Kollegen aus den reichsten Industriestaaten der Welt hatte Kohl die Idee vorgetragen, eine mögliche Entschuldung von Entwicklungsländern an den Schutz der tropischen Regenwälder zu knüpfen. Eine Initiative, die (so wenigstens Ost) "von den Industrieländern positiv aufgenommen wurde". Jetzt prüfe die Bundesregierung, wie die Kohl-Initiative "im nationalen und internationalen Rahmen möglichst bald umgesetzt werden kann".

In Toronto machte das Wort vom "Weltökologen Kohl" die Runde – doch es war eher ironisch gemeint. Denn in der Wirtschaftserklärung zum Gipfelschluß tauchten die Regenwälder gar nicht auf, und die Umweltproblematik wurde in keinen Zusammenhang mit den Schulden der armen und ärmsten Länder gebracht.

Nicht sonderlich erfolgreich war die Bonner Riege auch mit einem anderen Beitrag zum Schuldenthema. "Ich habe mich persönlich dafür eingesetzt", so der Kanzler vor der Gipfel-Presse, "daß Schulden aus Entwicklungshilfe-Darlehen für die ärmsten Länder reduziert oder erlassen werden." Immerhin einigten sich die Sieben in Toronto darauf, den Verzicht auf die Rückzahlung öffentlicher Darlehen zu begrüßen – auch wenn eine klare Aufforderung zum Schuldenerlaß für die ärmsten und armen Länder nicht zustande kam.

"Vorreiter für die Schuldeninitiative der Gipfelländer war Bundeskanzler Helmut Kohl", lobte hinterher Matthias Wissmann, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Das ist zumindest übertrieben. Zwar hat die Bundesrepublik seit 1978 einer Reihe von besonders armen Entwicklungsländern Schulden in Höhe von 4,2 Milliarden Mark erlassen. Doch in der internationalen Debatte um die generelle Behandlung der Schulden der Dritten Welt hält sich Bonn gerne zurück.

Einige skandinavische Länder und Großbritannien machen sich schon längere Zeit dafür stark, von der bloßen Umschuldung abzukommen (also nur immer neue Zahlungsfristen zu gewähren). Zwischen 1982 und Ende 1987 mußten beispielsweise 23 schwarzafrikanische Länder ihre öffentlichen bilateralen Verbindlichkeiten umschulden lassen; für Togo wurde bereits die achte derartige Vereinbarung ausgehandelt, Zaire steht vor der neunten, ohne daß beide dadurch zahlungsfähiger sind.