Einen bösen Brief erhielten wir dieser Tage vom Leitenden Regierungsbaudirektor Huhnholz, der dem Straßenbauamt im schleswig-holsteinischen Itzehoe vorsteht. Anlaß seiner Beschwerde ist der Artikel "Ein Brief von höchster Stelle" (ZEIT 27/88), der in groben Zügen die derzeitige Situation am tiefsten Punkt der Bundesrepublik darlegte. Wir berichteten, daß die Gemeinde Neuendorf ein Hinweisschild errichtet habe, dessen Beschriftung dem Leitenden Regierungsbaudirektor Huhnholz mißfalle. "Statt der Fahnenhalterung mit der Beschriftung tiefste Landstelle der Bundesrepublik’ ist eine Holzplatte mit der Aufschrift tiefste Landstelle der B.R. Deutschland‘ angebracht worden", zitierten wir aus seinem Schreiben an die Gemeinde Neuendorf, und wir kolportierten auch seine Forderung, "das Hinweisschild entsprechend den Bestimmungen des Nutzungsvertrages Nr. 3/10070... zu ändern". Schließlich schrieben wir noch, daß es dem Leitenden Regierungsbaudirektor Huhnholz im Kern um "B.R." gehe, und daß er dem Neuendorfer Bürgermeister gegenüber geäußert habe, so ein Kürzel müsse er sich doch nicht bieten lassen.

Wie wir jetzt dem Brief des Leitenden Regierungsbaudirektors Huhnholz entnehmen, liegt der Fall des Schildes an der Landesstraße zwischen Burg und Wilster doch noch wesentlich komplizierter. Nur zu gerne veröffentlichen wir deshalb die straßenbauamtliche Stellungnahme, bitten aber unsere Leser um Verständnis, daß wir das umfassende Schreiben (vier Seiten Darstellung, zehn Seiten Anlagen) aus Platzgründen nur in den entscheidenden Passagen dokumentieren können:

"Bei der Einhaltung des Nutzungsvertrages geht es nicht ‚im Kern um B.R.’... Richtig ist vielmehr ..., daß das Amt Wilstermarsch und die Gemeinde Neuendorf laut schriftlichem Bericht des zuständigen Außenbeamten am Sonnabend, den 28.11.1987, ohne die vertraglich vereinbarte Vorankündigung einen im Durchmesser 40 cm messenden Pfahl mit Schwelle, Hilfspfählen und Verstrebungen in den Straßenkörper direkt neben der befestigten Fahrbahn bei einer Höhe von ca. -2,50 m unter NN haben rammen lassen; sie darüber hinaus den Seitenstreifen bis zu 1 m Dicke haben anschütten und den Graben neben der Fahrbahn haben einengen lassen... Durch solch’ sicherlich widerrechtliches Handeln ... wird nicht nur gegen das Straßen- und Wegegesetz des Landes Schleswig-Holstein mit seinen einschlägigen Vorgaben (Paragraphen) grob verstoßen, sondern auch der hier auf wenig tragfähigem Untergrund liegende Straßendamm entgegen den Regeln der Technik so beeinträchtigt, daß unterschiedliche Setzungen des Straßendammes die Sicherheit des Verkehrs beeinträchtigen können ... Darüber hinaus wurde der in den Marschgebieten so notwendige Wasserabfluß von der Straßenoberfläche infolge des Aufschüttens des Seitenstreifens und damit verbundener Verkleinerung des Grabenprofils eingeschränkt... Eine Genehmigung für die Befestigung des Seitenstreifens liegt bis heute nicht vor, auch kein Antrag. Insofern wird sicherlich verständlich, weshalb die Einhaltung eines Nutzungsvertrages, der keinerlei Einbauten in den Straßenkörper bei einem Abstand von mehr als 4,50 m vom Rand der befestigten Fahrbahn für ein Hinweisschild vorsieht, nicht nur wünschenswert sondern auch erforderlich ist. Es bleibt zu hoffen, daß für die Präsentation der tiefsten Landstelle der Bundesrepublik Deutschland an der richtigen Stelle noch eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann."