Sommerhektik

Helmut Kohl ruht sich am Wolfgangsee aus. Ronald Reagan reitet in Santa Barbara. Und François Mitterrand hat sich auf seinen Landsitz Latche zurückgezogen. Nur Margaret Thatcher glaubt nicht an den Sinn einer politischen Sommerpause. Seit Jahren fürchten britische Parlamentsabgeordnete, daß sie bei erstbester Gelegenheit sogar die Parlamentsferien abzuschaffen gedenkt. Als vergangenes Wochenende die Parlamentarier dem Westminster-Palast den Rücken kehrten, um in Urlaub zu fahren, packte die Eiserne Lady demonstrativ die Koffer für eine zehntägige politische Tour durch Australien und Asien. "Eine Alptraumreise", meinten ihre Berater und Begleiter.

Einsamkeit

Christian "Coco" Spiller ist ein ungewöhnlicher Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung. Ohne große Wahlkampfanstrengungen gelang ihm im Juni der Sprung ins Parlament mit einer klaren Mehrheit. "Coco" Spiller fühlt sich zu keiner Partei hingezogen. Als Stellvertreter zog er demonstrativ den Präsidenten eines Angelklubs in den Vogesen einem angesehenen gaullistischen Bürgermeister vor. Gut zwei Wochen nach der Wahl wurde es Spiller, der die ganzen Vogesen und das Elsaß als Möbelhändler mit Louis-XV-Wohnzimmern ausstattet, zu einsam in seiner politischen Unabhängigkeit: Er gab deshalb sein eben errungenes Abgeordnetenmandat zurück. Nun hat er es sich allerdings wieder anders überlegt: In einem Brief an den Präsidenten der Nationalversammlung erklärt er sein Rücktrittsschreiben als nichtig. Auch in der selbstgewählten politischen Wüste kann es anscheinend einsam sein.

Jagdfieber

Atlantas Wappentier war für die Tage des demokratischen Parteikonvents traditionsgemäß der Esel, in New Orleans wird in wenigen Tagen bei der Kandidatenkür der Republikaner der Elefant seinen großen Auftritt haben. In Floridas Fauna freilich ziehen diese politischen Tierchen derzeit kaum die Blicke des großen Publikums auf sich. Die richten sich, Gewehr bei Fuß, Zielfernrohr im Futteral, auf die gators, die Alligatoren. Erstmals seit einem Vierteljahrhundert wird dieser Tage wieder die Jagd auf sie eröffnet. In den Büros von Floridas "Glücksspiel-(!) und Frischwasserfisch-Kommission" wählte ein Computer unter 5600 Bewerbern die zugelassenen 230 Alligatorjäger aus: Lotteriefieber als Vorspiel zum Jagdfieber.

Vergeßlichkeit

Alle elf Jahre wird die Sonne besonders aktiv und sendet gewaltige Schauer elektrisch geladener Teilchen aus. Künstliche Erdsatelliten werden von ihnen aus der Bahn geworfen, wenn nicht entsprechende Vorsorgemaßnahmen getroffen worden sind. Genau das scheint aber die sowjetische Raumfahrtbehörde vergessen zu haben, als sie den Spionagesatelliten Sojus 1900 mit einem Kernkraftwerk an Bord ins All geschossen hat. Er droht nun, irgendwo auf die Erde zu stürzen. Kein Grund zur Beunruhigung, meinen die sowjetischen Raumfahrtexperten: Der herabstürzende Satellit soll rechtzeitig von einem eingebauten Sprengsatz in harmlose Splitter zerfetzt werden. Den einzubauen haben sie hoffentlich nicht vergessen.