Die Irisch Republikanische Armee (IRA) ist nicht tot. Nach einer Serie von Fehlschlägen erzielte sie in London und Düsseldorf – nach ihrer Auffassung – zwei Erfolge. Die IRA wollte offenbar einen blutigen Auftakt zum "Jubiläumsjahr 1989" (20jähriger Einsatz der britischen Armee im umkämpften Nordirland) setzen. Die vermutete Zusammenarbeit mit der RAF in Deutschland, der französischen Action directe und den italienischen Roten Brigaden wie der Ausbau der Waffenarsenale deuten darauf hin.

Derzeit hat es die IRA auf "weiche militärische Ziele" abgesehen, auf Soldaten und Polizisten außer Dienst, auf deren Angehörige und Freunde.

Beide Antworten, welche die Regierung Thatcher auf diese Taktik geben könnte, sind gefährlich: Eine harte Linie im Kampf gegen die Terroristen erleichterte der IRA, die heute kaum 200 Aktivisten zählt, Nachwuchs anzuwerben und verstärkte ihren gegenwärtig schwachen Rückhalt in der katholischen Bevölkerung. Auch die Abschirmung britischer Sicherheitskräfte entspräche dem Kalkül der IRA: Soldaten und Polizisten verlören jeden Kontakt mit der Bevölkerung, die sie schützen sollen. Nordirland erschiene dann als Gebiet, in dem London gezwungen ist, rein defensiv zu agieren.

Die britische Regierung schlägt vorerst keinen härteren Kurs ein. Margaret Thatcher will Überreaktionen vermeiden. Denn unbedachte Aktionen würden womöglich die Gesprächsbereitschaft gemäßigter Katholiken und Protestanten und die vorsichtige irisch-britische Zusammenarbeit schon im Keim ersticken. Überdies beginnen sich sogar Vertreter der Sinn Fein, des legalen Arms der IRA, Gedanken über politische Lösungen zu machen. Tom King, der Nordirland-Minister, will sein Mandat verlängern. Ein Zeichen, daß auch er die Lage nicht für hoffnungslos hält?

F.G.