Von Marion Gräfin Dönhoff

Ein jegliches hat seine Zeit: Brechen und Bauen", wie es beim Prediger Salomo heißt. Es scheint, als sei es diesem an Katastrophen so reichen Jahrhundert beschieden, in seinem letzten Jahrzehnt doch noch dem Bannkreis des Brechens zu entfliehen und vielleicht in ein Zeitalter des friedlichen Bauens einzutreten.

Was liegt alles hinter uns: zwei Weltkriege, zehn Millionen Tote im ersten, 55 Millionen im zweiten; die Schrecken von Hiroshima und Nagasaki; Hitler und Stalin mit ihren unvorstellbaren Verbrechen. Und als das große Leiden und Sterben, das Brechen und Zerstören endlich vorüber war und so mancher meinte, nun hätten die Menschen etwas dazugelernt, gewiß hätten sie die Einsicht gewonnen, daß die Welt für alle Platz hat und Kriege niemandem Gewinn bringen, nicht einmal den Siegern, da begannen die regionalen Konflikte und wurden zu großen Kriegen.

Seit acht Jahren kämpfen Irak und Iran gegeneinander mit Bomben, Giftgas und Raketen; Hekatomben 14jähriger Kinder sind ins Artilleriefeuer getrieben worden; eine Million Tote, zerstörte Städte, ruinierte Wirtschaften, das ist das Resultat.

Nicht anders sieht es in dem von Vietnam besetzten Kambodscha aus, wo Pol Pot, ein barbarischer Verbrecher, Hitler und Stalin durchaus vergleichbar, die Macht ergriff und sein Volk nahezu vernichtete. Er haßte die Städte und trieb die Menschen aufs Land in unwirtliche Gegenden, wo sie zu Tausenden verhungerten und starben. Von acht Millionen sind 1,5 Millionen umgekommen. Die Vietnamesen, die ihn vertrieben, blieben bis heute als Bedrücker im Land.

Ebenfalls unendlich grausam ist das Regime von Mengistu in Äthiopien, der dabei ist, die "unbotmäßige" Bevölkerung von Eritrea auszurotten.

Schließlich tobt in Afrika seit 14 Jahren ein Krieg in Angola, von Ost und West munitioniert und mit Waffen beliefert. Das reiche Land ist verwüstet, die Menschen sind verarmt, die Städte verkommen. Nirgends in der Welt gibt es so viele verkrüppelte Kinder wie in Angola.