Von Karl-Heinz Büschemann

Es war schon im Mai dieses Jahres, als Johann Schäffler einem Journalisten eine Wette anbot. Der Manager, Vorstandsmitglied von Daimler-Benz und Chef des zum Daimler-Reich gehörenden Flugzeugbauers Dornier GmbH, wettete sechs Flaschen Champagner darauf, daß es mit dem vermeintlich unmittelbar bevorstehenden Einstieg des Autokonzerns bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) in diesem Jahr sicher nichts mehr werde. Zu viele Probleme müßten noch ausgeräumt werden, bevor der Flugzeugbauer und Dornier-Konkurrent MBB unter das Daimler-Dach kommen könnte. Jetzt wird immer wahrscheinlicher, daß Schäffler recht behält. Wann die Übernahme des Raumfahrtkonzerns nun beschlossen werden kann, steht zur Zeit mehr in den Sternen denn je.

Allerdings hat Edzard Reuter, der Vorstandsvorsitzende von Daimler, in der vergangenen Woche immerhin schon eine Hürde aus dem Weg geräumt. Mit großzügiger finanzieller Geste kaufte er nach monatelangem Verhandlungsgerangel der Familie Dornier, die noch zu gut dreißig Prozent an der Daimler-Tochtergesellschaft Dornier GmbH beteiligt ist, ihre sehr weitreichenden Mitspracherechte ab, die die Mercedes-Manager noch 1985 eingeräumt hatten, um möglichst schnell den Friedrichshafener Flugzeugbauer übernehmen zu können. Damit kann das Unternehmen nun endlich mit einigen Wochen Verspätung das neue dreißigsitzige Flugzeug Do 328 in Angriff nehmen. Die Produktion soll viertausend Arbeitsplätze retten.

Für den Stuttgarter Autokonzern dürfte indes viel wichtiger sein, daß die Familie nicht mehr den Einstieg bei MBB verhindern kann. In dem 1985 mit heißer Nadel gestrickten Gesellschaftervertrag zwischen dem Dornier-Clan und dem Daimler-Konzern war nämlich festgehalten worden, daß eine Zusammenlegung der Dornier-Gruppe mit einem maßgeblichen Konkurrenten vom Placet der Familie abhängig ist.

Doch damit ist der Weg zur sogenannten Neustrukturierung der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie noch immer nicht frei. Bevor sich Daimler-Benz mit MBB den einzigen nationalen Konkurrenten von Dornier einverleiben kann, wird Edzard Reuter, der ambitionierte Daimler-Konzernschmied, noch viel öffentliche Aufklärungsarbeit leisten müssen.

Wurde der zum Manager des Jahres 1987 gekürte Reuter bisher dafür gelobt, den führenden deutschen Autokonzern weitsichtig zu einem diversifizierten High-Tech-Unternehmen zu entwickeln, so stößt der Mercedes-Mann neuerdings auf harte Kritik. Der vor allem von Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann (FDP) favorisierte Plan, Daimler-Benz möge auch noch MBB mit seinen etwa 38 000 Beschäftigten übernehmen, stößt plötzlich auf massive Kritik von Politikern aller Couleur, Gewerkschaften und Unternehmern. "Kritik ist gar kein Ausdruck", gesteht ein Daimler-Sprecher ein: "Da baut sich eine regelrechte Gegnerschaft auf."

Die massiven Widerstände begannen, als im Juli Professor Ulrich Immenga, der Präsident der Monopolkommission, den Daimler-MBB-Fusionsplan öffentlich attackierte. Einen volkswirtschaftlichen Vorteil könne er in dieser ausgerechnet vom liberalen Wirtschaftsminister favorisierten Idee nicht erkennen, erklärte der Wettbewerbshüter. Für ihn dieser Schritt ein ordnungspolitischer Sündenfall.