Seit zwei Jahren gibt es eine Art von Urlaub, die nur nervenstarken und wagemutigen Menschen empfohlen werden kann. Die Dauer des Vergnügens betrug zu Beginn des Programms zehn Monate, doch hat der Veranstalter aufgrund des großen Erfolgs, besonders bei der weiblichen Klientel, eine Verlängerung auf zwölf Monate beschlossen. Der Anreiseweg ist kurz, das Vergnügen kann überall genossen werden. Die Kosten sind gering, jeder Teilnehmer bekommt sogar noch 600 Mark Taschengeld monatlich (steuerfrei). Als Eigenleistung ist lediglich die Geburt eines Kindes nachzuweisen. Name dieses Abenteuers: Erziehungsurlaub.

Doch der Weg zum Urlaubsvergnügen ist steinig. Frau Süssmuths Erziehungsgeld, ein Geschenk des Himmels für junge Familien, muß erst noch hart erantragt werden – zumal, wenn ein Mann es haben will. Offizielle Broschüren wenden sich zwar stets an "Mütter und Väter", doch schon das erste Merkblatt aus dem Schulamt an die "Liebe Frau Kollegin" zeigt die Realität auf. 1986 waren nur 1,4 Prozent aller Antragsteller Männer. Da kommt die Bürokratie schon mal ins Stolpern über der Frage, ob der Mann als Anspruchsberechtigter nach Paragraph 1 BErzGG sofort nach der Geburt des Kindes den Erziehungsurlaub antreten darf oder erst nach Ablauf der achtwöchigen Mutterschutzfrist. Was ist, wenn die Mutter des Kindes gar kein Anrecht auf diese Frist hat, weil sie Studentin ist? Das Ministerium antwortet nur mit einer netten Broschüre, der zuständige Beamte der Bezirksregierung fragt entnervt, ob ich denn nicht wüßte...

Doch schließlich ist alles klar, und ich kann meinen Urlaub antreten. Zunächst bin ich voller Elan, denn ich bin Hausarbeit gewöhnt; die dreijährige Tochter und das Neugeborene werden sich schon selbst beschäftigen.

Doch mit der Zeit stecke ich eines nach dem anderen: Staubsaugen, Waschen, Blumengießen. Was bleibt, ist die Versorgung der Kinder und die Zubereitung einer schnellen Mahlzeit. Fragen mich Bekannte, was ich denn den ganzen Tag über so tue, habe ich Schwierigkeiten, eine Antwort zu finden. Trotzdem häufen sich die Schweißausbrüche, wenn mal wieder beide Kinder krank sind, gleichzeitig Durst haben oder müde sind. An solchen Tagen bin ich heilfroh, wenn Verena, meine Frau, aus der Uni kommt, und ich mich der ganz normalen Hausarbeit zuwenden kann.

Erzähle ich Freunden von so einem Streßtag, reagieren sie ungläubig. "Na, so schlimm wird’s schon nicht sein." Anfangs spreche ich am liebsten mit Frauen. Sie finden es meistens "einfach super, daß du das machst!" Doch schließlich nervt mich das Kompliment, und ich empfehle, dasselbe doch allen Hausfrauen zu sagen. Manche Frauen erkundigen sich sorgenvoll, ob ich als Mann das auch wirklich kann – Fläschchen geben, wickeln und so weiter. "Ja, und koche muß er a no" entwich es einer zweifelnden Ordensschwester.

Viele meiner Geschlechtsgenossen sind eher zurückhaltend. "Ich würde es bei unserer Kleinen ja auch machen, aber in meiner Situation ist es halt nicht so einfach." Oft ist das Geld verantwortlich: Männer verdienen meistens mehr als Frauen. Das Beispiel Schweden, wo trotz 90 Prozent Gehaltsfortzahlung nur 20 Prozent der Männer den Erziehungsurlaub nehmen, zeigt allerdings, daß wohl auch andere Dinge im Spiel sind.

Einige Freunde erkundigen sich denn auch ernsthaft nach meinem Selbstverständnis als Mann. In die schwersten Zweifel stürzten mich zwei ältere Herren. Ich könne mir wohl Mühe geben bei meiner Aufgabe, befanden sie, aber meinen Kindern doch niemals die Mutter ersetzen: "Ein Vater ist halt nur eine Mutter ohne Brust."