Das magische Datum liegt eigentlich noch in weiter Ferne. 1997 soll die britische Kronkolonie an China zurückgegeben werden. Aber Auswirkungen auf die Bautätigkeit in der Stadt hat dieser Termin noch nicht; denn in Hongkong gilt die Faustregel, daß sich eine Investition in rund fünf Jahren zu amortisieren hat. Deshalb wird auch erst 1992/93 festzustellen sein, wie groß das Vertrauen in eine rotchinesische Zukunft Hongkongs ist.

Derzeit jedenfalls entstehen in der Millionenstadt so viele Hotels der obersten Kategorie wie nie zuvor. Statt derzeit etwa 3500 Zimmern der Luxusklasse soll es Anfang der neunziger Jahre mehr als doppelt so viele geben. Den Reigen der Hotelneubauten begann das "Hotel Nikko Hong Kong", dessen 461 Zimmer auf Kowloon seit dem Frühjahr offenstehen. Auf dieser Seite des Hafens wird noch im Herbst das "Ramada Renaissance" mit fast 500 Zimmern eröffnet.

Ein weiterer amerikanischer Konzern, Marriott, gibt sein Fernost-Debüt mit dem "Hong Kong Marriott", dessen 653 Zimmer in einem Hochhauskomplex den neuen Pacific Place bereichern werden. Marriott baut sein asiatisches Flaggschiff auf Hong Kong Island, dort entsteht auch das Hong Kong Convention and Exhibition Centre, über dem 1989 gleich zwei riesige Hotelbauten mit zusammen rund 1500 Zimmern ihre Pforten öffnen sollen.

Das "Grand Hyatt" und das "New World Harbour View" wollen von März kommenden Jahres an die Hotelszene der Kronkolonie beleben. Das Hotelgedränge um den Pacific Place wird 1990 noch größer, wenn die geplanten Häuser "Conrad International" mit 515 Zimmern und "Island Shangri-La" mit 555 Zimmern dazukommen.

Dann wird die Zeit endgültig vorbei sein, in der die Hoteliers ihre Preise Jahr für Jahr um zweistellige Prozentsätze erhöhen konnten. Derzeit melden die Luxusherbergen noch Auslastungen von hundert Prozent für die Hochsaisonmonate im Herbst und fast 90 Prozent für den Jahresdurchschnitt. Bei sinkenden Auslastungsquoten prognostiziert die Hong Kong Hotel Association neue Preise, allerdings wird nicht mit einem Verfall wie in den Fernostmetropolen Kuala Lumpur und Singapur gerechnet, wo wegen des übergroßen Angebots ein Zimmer der Luxusklasse schon weit unter hundert Mark zu haben war.

Die Hotelmanager in der Kronkolonie werden ein aggressiveres Marketing betreiben und sich für eine Übergangsperiode wohl oder übel flexibler bei den Preisen zeigen müssen. Doch bei weiterhin zweistelligen Zuwachsraten der Besucherzahlen ist vorauszusehen, daß sich die Situation wieder festigt. Im vergangenen Jahr zählte Hongkong 4,5 Millionen Besucher, davon 110 000 Deutsche. Im ersten Halbjahr 1988 stiegen die Zahlen gegenüber 1987 um über 25 Prozent.

Mit den Besucherzahlen Schritt halten kann die Zunahme der Hotelzimmer, derzeit sind es knapp 25 000, bis 1990 sollen es 31 000 sein. Durch die Neubauten werden allerdings ältere Häuser verdrängt. So sind 1988 zwar 3500 neue Hotelräume errichtet worden, doch stieg die Zahl der Hotelzimmer insgesamt nur um 2000. Die Gesetze des Marktes haben in Hongkong schon immer funktioniert. Klaus J. Scheidler