Keine Besucher, kein Handel, keine Studentendemonstrationen, dafür alle Abende ein Cocktail-Empfang, der sich bis zum Morgengrauen hinzog", schwelgt Chatichai Choonhavan noch heute von seiner Zeit als thailändischer Botschafter in Buenos Aires. Vorbei die schönen Tage von Argentinien. Vorbei auch der öffentliche Genuß der Zigarre: Die verbot ihm Thailands bisheriger Premierminister General Prem Tinsulanonda, als er Chatichai zu einem seiner Stellvertreter bestimmte und auf beispielhaftem Auftreten während einer Antitabak-Kampagne pochte.

Prem, acht Jahre lang Premierminister einer wechselhaften Vier-Parteienkoalition, sollte nach den jüngsten Parlamentswahlen die Geschäfte weiterführen. Zu aller Überraschung wollte der General nicht mehr. Die politische Szene war frei für Chatichai, dessen industriefreundliche Chart-Thai-Partei soeben mit 87 von 357 Mandaten stärkste Fraktion geworden war.

Welcher Kontrast: Gestern der wortkarge Asket Prem, ein Mann aus bescheidenen Verhältnissen, dem erst die Generalsuniform den Zutritt zur Macht erlaubte. Und nun als sein Nachfolger der 66jährige Bon vivant Chatichai, Sohn des Feldmarschalls Pin Choonhavan (der 1947 erfolgreich putschte), Absolvent einer US-Militärakademie, jüngster General Thailands, Botschafter und mehrfach Minister. Zur Macht fand Chatichai quasi aus familiärer Tradition. Reichtum erwirtschaftete er sich scheinbar nebenbei als Unternehmer.

Prominent machten ihn seine Auftritte in Bangkoks Diskotheken. Doch so scharf der Kontrast zu Prem ins Auge fällt, so wenig dürften politische Unterschiede zwischen dem General und dem Playboy sichtbar werden. Auch Chatichai wird die prekäre Balance einer Vier-Parteienkoalition und die gespannte Lage in der Region berücksichtigen müssen.

van