Lange Zeit hat sich die Post schwergetan, ihrer Kundschaft einen Service zu bieten, der international schon längst alltäglich ist. In einem halben Jahr ändert sich das – zunächst versuchsweise. Dann wird Postminister Christian Schwarz-Schilling als erster mit seiner Kreditkarte eines der fünfzehn frisch installierten Kartentelephone am Frankfurter Flughafen einweihen. Wenig später werden jeweils fünf Geräte in den Flughäfen Hamburg, Düsseldorf und München installiert. Dort können dann Reisende mit American Express, Eurocard, Diners Club und Visa bargeldlos telephonieren. Der Versuch ist von der Post auf eineinhalb Jahre angelegt. In dieser Zeit sollen die Geräte getestet werden, ebenso wie die Zusammenarbeit mit den Kreditkartengesellschaften und natürlich die Akzeptanz bei den Kartenbesitzern. Der Versuch wird aller Voraussicht nach positiv verlaufen, zumindest spricht die Erfahrung im Ausland dafür. Ende 1989 sollen 10 000 Kartentelephone installiert sein – 1995 gar 70 000, was gut der Hälfte aller öffentlichen Fernsprecher entspräche.

Wer keine Kreditkarte zücken kann, muß freilich nicht vor jeder zweiten Telephonzelle kapitulieren. Schon heute kann jeder Telephonchipkarten kaufen.

Eigentlich sollte das Projekt als Aushängeschild für liberale sozialdemokratische Rundfunkpolitik dienen. "Unabhängig", "ein Forum für kontroverse Diskussionen", "ein intelligentes Radio" – kurz, ganz anders als die vielgeschmähten Kommerzsender wollte Hamburgs erster gemeinnütziger Privatsender sein. Pünktlich zu Neujahr meldete sich Radio Korah erstmals mit einem 24-Stunden-Vollprogramm auf der Frequenz 97,1. Seit vergangenem Freitag ist dort nur noch ein Notprogramm zu hören. Der Grund: Korah-Geschäftsführer Michael Franke hat beim Amtsgericht Konkursantrag gestellt.

Damit droht nicht nur das endgültige Aus für Radio Korah, sondern möglicherweise auch für das von den Hamburger Sozialdemokraten erfundene "Zwei-Säulen-Modell" aus Anbieter- und Betreibergesellschaft. Bei dieser Konstruktion liegen Programmverantwortung und Personalhoheit bei der Anbietergemeinschaft, die auch Lizenzinhaberin ist. Die zweite Säule, die Betreibergesellschaft, hingegen trägt alleine das finanzielle Risiko. Sie bringt das notwendige Kapital auf und ist für den Verkauf von Werbezeiten verantwortlich. Durch diese eigenwillige Konstruktion wollten die hanseatischen Sozialdemokraten dem Vorwurf entgehen, die knappen Frequenzen nur an finanzstarke Medienkonzerne zu vergeben. Um möglichst viele Interessengruppen zu befrieden, machte die zuständige Hamburger Anstalt für Medien (HAM) zwei der vier Frequenzen für diese gemeinnützigen Sender frei. Außer Radio Korah erhielt auch Okay-Radio eine Lizenz. Bei Korah sind in der Anbietergemeinschaft unter anderen der Deutsche Vogelschutzbund, Terres des Hommes und der BUND vertreten, bei Okay-Radio neben christlichen Verbänden der DGB und die AOK. Nach dem finanziellen Desaster von Radio Korah – der Sender soll mit sechs- bis siebenhunderttausend Mark überschuldet sein – regen sich auch beim Direktor der HAM, Helmut Haeckel, offenbar Zweifel, ob das Zwei-Säulen-Modell tatsächlich tragfähig ist. Haeckel: "Bei Anbietergemeinschaften, die überhaupt kein finanzielles Risiko tragen, ist die Kooperationsbereitschaft begrenzt." Vor allem bei Personalfragen sind Betreiber und Anbieter ständig aneinandergeraten, unbelastet von ökonomischem Kalkül heuerte beispielsweise die Korah-Anbietergemeinschaft 35 feste Redakteure an. Zusätzlich wurden achtzig freie Mitarbeiter beschäftigt. Während die Kosten auf über 400 000 Mark monatlich kletterten, stagnierten die Werbeeinnahmen bei nahezu Null. Für die bei Korah aufgelaufenen Verluste werden möglicherweise der Hamburger Senat und der Bund zumindest teilweise aufkommen müssen. Die Bürgschaftsgemeinschaft, ein Zusammenschluß aus Kammern, Gewerbetreibenden und Kreditinstituten, hat dem Sender eine Bürgschaft von 250 000 Mark gewährt. Haftungsträger dafür ist der Hamburger Senat mit 28 Prozent, der Bund sogar mit 42 Prozent.

Bei der Hamburger Morgenpost (Mopo) gärt es. Zwar bezeichnete Mopo-Verleger und Gruner + Jahr -Vorstandsvorsitzender Gerd Schulte-Hillen die Spekulationen um ein Ausscheiden von Mopo-Chefredakteur Wolfgang Clement als "falsch". Der frühere Wahlkampfmanager von SPD-Kanzlerkandidat Johannes Rau genieße sein "volles Vertrauen". Clement selbst macht keinen Hehl daraus, daß es "ernsthafte Differenzen" gegeben habe, die freilich Anfang der Woche beigelegt worden seien.

Hintergrund des Streits ist die schleppende Auflagenentwicklung des defizitären Boulevardblattes. In der G + J-Planungszentrale ist mittlerweile das Ziel, die Auflage schon im nächsten Jahr auf 200 000 Exemplare (derzeit: 135 000) zu steigern, zurückgesteckt worden. Es werde wohl zwei Jahre länger als geplant dauern, heißt es nun. Als Begründung für die Planrevision wird ausgerechnet die Konkurrenz gelobt: Die Bild-Zeitung des Sprint ger Verlages mache in Hamburg einen "hervorragenden Job".

Gleichwohl will Gruner + Jahr der starken Konkurrenz das Feld nicht kampflos überlassen. Der zum Bertelsmann-Konzern gehörende und vor allem im Zeitschriftengeschäft engagierte Verlag will mit dem Festhalten am Sorgenkind Mopo ein Zeichen setzen und sein Interesse auch an Tageszeitungen bekunden. Trotz aller Probleme sei dies "betriebswirtschaftlich verkraftbar". Fritz Vorholz