Von Volker Ullrich

Eine Vergangenheit, die nicht vergehen will. Über vierzig Jahre nach Ende der Nazi-Diktatur wirken Schrecken und Grauen dieser Jahre in vielfältiger Weise nach. Nicht nur die Generation derer, die Verfolgung und Terror überstand, ist gezeichnet. Ihre Leiden, die Folgen der erlebten Traumatisierung zeugen sich fort bei Kindern und Kindeskindern. Helen Epsteins kürzlich ins Deutsche übersetzte Buch "Die Kinder des Holocaust" legt davon eindringlich Zeugnis ab.

Was aber haben eigentlich die Täter ihren Kindern an seelischen Verformungen vererbt? Und wie sind die Kinder mit der Geschichte ihrer Eltern fertig geworden? Nach Peter Sichrovskys Gesprächssammlung "Schuldig geboren", nach Niklas Franks "Abrechnung" mit seinem in Nürnberg hingerichteten Nazi-Vater erschien ein weiteres Buch zu diesem Thema:

  • Dörte von Westernhagen:

Die Kinder der Täter. Das Dritte Reich und die Generation danach

Kösel Verlag, München 1987; 287 S., 29,80 DM.

Die Autorin, Jahrgang 1943 – eine promovierte Juristin, die heute als freie Journalistin arbeitet – ist Tochter eines SS-Offiziers, der kurz vor Kriegsende in Ungarn fiel. In einer Selbstanalyse und durch Gespräche mit anderen Kindern von Tätern hat sie versucht, das verdrängte Nazi-Erbe auszugraben und die Spuren freizulegen, die es in der Psyche der Kriegs- und Nachkriegsgeneration hinterlassen hat. Dabei geht es ihr nicht – wie Niklas Frank – darum, ihren Vater noch einmal abzuurteilen, sondern zunächst einmal zu verstehen, warum er zum Täter werden konnte.