Von Herbert Schäfer

Peinlicher hätte es kaum kommen können. Obwohl gegen die Firma bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Atomgesetz lief, brüstete sich Klaus Petry, Chef der bundesbahneigenen Nuclear Cargo + Service GmbH (NCS) in Frankfurt: Solange Transportbedarf für radioaktive Stoffe bestehe, könne dieser „sinnvollerweise nur von einem absolut zuverlässigen Unternehmen unter Beachtung aller gesetzlichen Vorschriften im Interesse der öffentlichen Sicherheit erfüllt werden“. Und, so fügte der Transport-Manager hinzu, jeder könne „versichert sein, daß wir ein solches Unternehmen sind“.

Gerade erst hatte die Gesellschaft auf Geheiß von Bundesumweltminister Klaus Töpfer die Speditionsanteile der wegen der Schmiergeldaffäre in Verruf geratenen Hanauer Firma Transnuklear übernommen (Petry: „Die Entscheidung ist mit dem besonderen Vertrauen begründet, das der DB-Konzern genießt“). Da geriet NCS schon selbst mit den Paragraphen in Konflikt.

Das Unternehmen hatte den staatlichen Aufsichtsorganen in Bremen und Hamburg nämlich nicht mitgeteilt, daß es ihr Territorium auf dem Weg von Hanau nach Geesthacht mit einer Ladung Kernbrennstäbe und Uran viele Kilometer durchfuhr. Der Transport zur Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffahrt und Schiffsbau (GKSS) an der Elbe hätte aber mindestens 48 Stunden vorher von NCS angemeldet werden müssen.

„Wir konnten keine Sicherheitsvorkehrungen treffen und die Aufsicht nicht wahrnehmen, die wir laut Atomgesetz auszuüben haben“, beschwert sich Wolfgang Renneberg, Sprecher des Hamburger Amtes für Umweltschutz. Die Hamburger leiteten deshalb gegen die NCS-Verantwortlichen ein Bußgeldverfahren ein.

Der Verstoß gegen die gesetzliche Meldepflicht bei den Hanseaten war nicht der einzige Schnitzer, den sich die Bundesbahn-Spedition zuschulden kommen ließ. Zweimal stiegen bewaffnete Begleiter des gegen Terroristen und Saboteure schwer gepanzerten Lastzugs unterwegs auf Autobahnparkplätzen aus. Während dieser Pausen stand die Tür des Führerhauses zeitweilig weit offen, so daß der Nukleartransport erheblichen Risiken ausgesetzt war. Außerdem wich das Fahrzeug vorübergehend von der Route ab, an die es per Beförderungsgenehmigung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig gebunden war.

Der PTB-Sicherheitsbeauftragte Martin Cosack kündigte drastische Konsequenzen an: „Das Geringste wäre, die Genehmigung für weitere NCS-Transporte zu widerrufen.“ Vorerst wurde den Hessen die nächste Fracht nach Geesthacht untersagt. Die Überprüfung ihrer Zuverlässigkeit ist laut Cosack noch nicht abgeschlossen. Der energische Beamte, der in der Affäre keine Rücksichten auf Namen und Personen nehmen will, schaltete Bonn ein.