Peter Herborn’s acute insights"

Nein, kein Titel, der den klaren (oder scharfen) Einblicken eine bestimmte Richtung gäbe. Man hält sich besser an den Komponisten und Arrangeur Peter Herborn und seine Musik, fünf Stücke, die er komponiert hat und hier zusammen mit sechs gewandten, rasch ihr Temperament entfaltenden, also sich gleichsam in die Themen stürzenden Musikern aufführt: Jazz von einer nicht unkomplizierten, an den Nerven rüttelnden, dramatisch geschickt sich steigernden Art. Manchmal wüßte man gern genau, was komponiert war, was improvisiert wird. Doch letztlich erlischt die Neugier daran: wichtig bleibt, was man hier und jetzt und danach hört. Bestimmend ist fast immer ein rhythmisch raffiniertes, sehr ausgeprägtes und manchmal bohrendes Ostinato, ein musikalisches Gerüst, an dem die sieben Solisten ihre Kletterkünste zeigen. Sie lassen sich herausfordern, gehen mächtig aus sich heraus, spielen dabei scheinbar bewußt die Klangfarben aus und streuen noch ein paar dazu, ob von der Trillerpfeife, der Ziehharmonika oder dem Synthesizer. Es gibt sehr gewiefte, auch sehr schöne Soli, aber jedes Stück bildet immer ein ganzes Bild – oder ein Drama, welcher Metapher man auch den Vorzug gibt. Das interessanteste Stück heißt "Beauty is...". Die Musiker geben keine Antwort, sie lassen es bei den Pünktchen. (JMT Productions 834 417-1)

Manfred Sack

"Una ‚Stravaganza‘ dei Medici"

Intermedien – Zwischenspiele, die als Sinfonia, Kanzone, Chorstück und Tanz vorwiegend in Komödien eingeschoben wurden – waren im 16./17. Jahrhundert eine Sonderform des "Entertainments", aus der sich, so könnte man forsch formulieren, um die Jahrhundertwende in den USA das moderne "Musical" entwickelte. Kompositorisch wie interpretatorisch kann die vorliegende Dokumentation als Paradebeispiel der Gattung dienen: sechs Intermedien, die in die prunkvollen Aufführungen von Girolamo Bargaglis Komödie "La pellegrina" (1589), anläßlich der Hochzeit Ferdinando dei Medicis mit der französischen Prinzessin Christine von Lothringen zur Belustigung der illustren Gäste, integriert wurden. Möglicherweise wurde damit auch die "Betroffenheit" überspielt, daß Kardinal Ferdinando seinen älteren Bruder Francesco samt Gattin Bianca vergiften ließ, um dessen Titel als Großherzog der Toskana an sich zu reißen. Der Meuchelmord tat der prunkvollen Florentiner Festlichkeit offenbar nicht den geringsten Abbruch. Die besten Librettisten, Komponisten und Interpreten waren aufgeboten, den unter dem Sammelbegriff "Die Macht der Musik" arrangierten Pasticcios optimale Gestalt zu geben. Optimales bieten auch die Musiker dieser exorbitanten Aufnahme (Tessa Bonner, Emma Kirkby, Emily van Evera, Nigel Rogers und die überragenden Chor- und Instrumentalensembles des Taverner Leiters Andrew Parrot). Nicht nur Insidern dürfte die musikalische Pracht aus der Vorgeschichte der Oper unter die Haut gehen. (EMI "Reflexe" 7 47998 2) Peter Fuhrmann