Die beiden Ministerpräsidenten Lothar Späth und Oskar Lafontaine festigen mal wieder ihren Ruf als durchtriebene Schlitzohren. Anstatt den Landesbediensteten vom April nächsten Jahres an die einstündige Arbeitszeitverkürzung entweder einmal pro Woche oder durch Ansammlung als zusätzliche freie Tage zu gönnen, wollen die beiden Regierungschefs die Mittagspause täglich um zehn Minuten verlängern.

Gewerkschaften und Beamtenbund schreien lauthals Protest. Längere Pausen wollen (und brauchen?) die Staatsdiener offenbar nicht. Hat Späths Sprecher etwa recht, wenn er meint, mit dem Modell werde die Norm nur der Wirklichkeit angepaßt, oder dürfen sich gar jene Beamtenhasser bestätigt fühlen, die argwöhnen, daß die "Sesselfurzer" (Lafontaine) auf die Art nur zehn Minuten ihres Büroschlafes einbüßen?

Vorurteil über Vorurteil, werden die Betroffenen stöhnen. Und zur Versöhnung der Geschmähten sei darauf hingewiesen, daß die beiden Schlitzohren im Interesse leerer Staatskassen nicht nur ihren Untergebenen, sondern auch den Arbeitslosen schaden. Die nämlich haben in diesen Bundesländern nun keinen Gewinn von der Arbeitszeitverkürzung. ms