Tradition ersetzt Qualität auf die Dauer nicht – diese Erfahrung muß das Schweizer Hotelgewerbe machen. Während die Konkurrenz in anderen Ländern mächtig aufgeholt hat, haben viele Schweizer Hoteliers verpaßt, den Komfort ihrer Häuser zu steigern.

Bei Vier- und Fünfsternehäusern können wir im Preis-Leistungs-Vergleich mit der Konkurrenz in Europa mithalten. Was kleinere Hotels und Pensionen betrifft, haben wir aber unsere Spitzenposition preisgegeben", gibt Franz Dietrich, Direktor des Schweizer Hotelier-Vereins, unumwunden zu. Entsprechend harte Worte sind auf der jüngsten Delegiertenversammlung der Hoteliers gefallen. Das Zürcher "Dolder", das Berner "Bellevue" oder das "Palace" in St. Moritz stehen eben nicht repräsentativ für die unzähligen Pensionen mit Namen wie "Alpenblick" oder "Waldrand".

Von den 7 200 Schweizer Beherbergungsbetrieben ist anscheinend ein beträchtlicher Teil nicht in der Lage, die nötigen Mittel aufzubringen, um den Schritt zum modernen Hotel-Marketing zu tun oder um das heute erforderliche Fachwissen zu erwerben.

Gründlich aufgeschreckt haben die Ergebnisse einer Publikumsbefragung der Schweizerischen Verkehrszentrale in ihren Deutschland-Büros. Neben Kritik am oft wenig gastfreundlichen Verhalten der Schweizer gegenüber ausländischen Urlaubern wurde einigen Hotels ein blamables Qualitätszeugnis ausgestellt. In einem klassischen Urlaubsland dürfe es nicht vorkommen, daß viele Hotels keine oder kaum Zimmer mit Bad und Toilette anbieten können. Offensichtlich hat die Schweiz zu lange von einer Infrastruktur gezehrt, die vor 50 Jahren beispielhaft war.

Weil die Zahl der deutschen Touristen rückläufig zu werden droht, hat die Schweizerische Verkehrszentrale beim Institut für Demoskopie in Allensbach eine eingehende Motivforschungsstudie in Auftrag gegeben. Ziel: herauszufinden, wie sich deutsche Urlauber bei der Stange halten lassen.

Wohin die Entwicklung gehen muß, ist freilich den Tourismusverantwortlichen schon heute klar. Im Preiskampf kann die Schweiz aufgrund ihrer hohen Löhne, Baukosten und Bodenpreise nicht mithalten. Andererseits ist der Tourismus als drittwichtigster Wirtschaftszweig unabdingbar. "So bleibt einzig, das Tempo qualitativer Verbesserungen rapide zu erhöhen und darauf hinzuwirken, daß die Bevölkerung – welche glaubt, ohne den Fremdenverkehr auskommen zu können – tourismusbewußter wird", meint Helmut Klee, stellvertretender Direktor der Schweizerischen Verkehrszentrale in Zürich.

Das heißt, daß weiterhin jährlich etwa hundert Hotels in Konkurs gehen werden, weil sie nicht überlebensfähig und, gemäß Franz Dietrich vom Hotelier-Verein, auch "der Überlebenshilfe nicht würdig sind". Nur Betreibern, die willens und fähig zur Anpassung sind, soll mit billigen Investitionskrediten geholfen werden. ger