Brokdorf

Zu guter Letzt greift die Polizei dann doch noch ein. Der schwarz gekleidete Fahrer eines Hamburger Wagens muß die Papiere zeigen und wird zum Alkoholtest gebeten. Sein Beifahrer sucht derweil schon mal Ersatz: "Hat hier jemand einen Führerschein und kein Auto?"

Es war der einzige Zwischenfall während der knapp zweistündigen Blockade des Kernkraftwerkes Brokdorf am vergangenen Sonnabend. Da wurden keine Demonstranten von tieffliegenden Hubschraubern über Wiesen und Deiche gehetzt, da surrten keine Zwillengeschosse durch die Luft – bekannte Bürgerkriegsbilder von vergangenen Schlachten um den Symbolmeiler an der Unterelbe.

Die Szene ist nahezu idyllisch. Der Blick geht über die satten grünen Weiden, und in der Luft schweben Gitarren- und Flötenklänge. Wenn da nur nicht die mit Nato-Stacheldraht gesicherten Strommasten wären und der durch Zäune und Wassergraben geschützte Kuppelbau des Atommeilers.

Vor beiden Toren des Kernkraftwerkes haben sich rund 250 Demonstranten niedergesetzt – eine durchaus friedliche, buntgekleidete Menge, Menschen aller Altersgruppen. Dahinter stehen Polizisten in dichter Reihe, doch die Atmosphäre bleibt entspannt. Der warme Sommertag regt an zum Picknick. Thermoskannen werden ausgepackt; Brote, selbstgebackener Kuchen und Nicaragua-Bananen machen die Runde.

Seit genau zwei Jahren versammeln sich die Kernkraftgegner am Sechsten jeden Monats, um ein "Mahnzeichen zu setzen". Mal mit einer schlichten Blockade, mal mit Musik und Tanz. Dann wieder in Form eines Gottesdienstes oder als Happening, am 6. Dezember etwa, wenn als Nikolaus verkleidete Blockierer dem Vermummungsverbot trotzen. Ihr Ziel: "So lange zu stören, bis das AKW Brokdorf und die anderen AKWs abgeschaltet werden."

Organisiert werden die Aktionen von verschiedenen Gruppen, wie etwa der "Solidarischen Kirche in Nordelbien", der "gewaltfreien Aktion