Mit einer überraschenden "Wende", wie es der Kammervorsitzende Heiner Mückenberger nannte, ging der Prozeß gegen Mohammed Hamadi vor der Jugendkammer des Frankfurter Landgerichts am vergangenen Dienstag in eine vierwöchige Sommerpause: Der Angeklagte, dem die Staatsanwaltschaft unter anderem Mord, Flugzeugentführung und Geiselnahme vorwirft, legte ein Teilgeständnis ab.

Der Libanese gab zu, an der Entführung einer TWA-Maschine am 14. Juni 1985 mitgewirkt zu haben. Hamadi und ein weiterer, bisher nicht bekannter Komplize hatten das Flugzeug auf dem Luftweg von Athen nach Rom in ihre Gewalt gebracht und nach Beirut entführt. Der US-Soldat Robert Stethem wurde im Verlauf des mehrwöchigen Geiseldramas brutal mißhandelt und schließlich mit einem Kopfschuß getötet.

Von diesem Mord indes, sagt Hamadi, habe er damals nichts mitbekommen. Er habe an der Flugzeugentführung überhaupt nur unter der Bedingung teilgenommen, daß niemand getötet werde. Im nachhinein, aus seinem jetzigen "politischen Verständnis" heraus, lehne er die Entführung ab. Er sei kein Terrorist, betont er; und an die Eltern des Getöteten gerichtet, die in Frankfurt als Nebenkläger anwesend sind, erklärt er, daß er das Leiden bedauere, das seine Tat verursacht habe.

In der Flugzeugentführung habe er "das letzte Mittel" gesehen, palästinensische und libanesische Gefangene aus "israelischen Foltergefängnissen" zu befreien. Sämtliche legalen Versuche auf politischem Weg seien gescheitert. Angesichts der "brutalen Methoden", mit denen die Israelis die Gefangenen gefoltert hätten, habe man sich zu der Entführung entschlossen.

Hamadi: "Wenn die Tat rechtswidrig war, dann war sie die Folge des völkerrechtswidrigen Verhaltens von Israel und den USA", Israels Hauptverbündetem. Über 700 arabische Häftlinge ließ Israel damals im Austausch gegen die als Geiseln genommenen amerikanischen Passagiere frei.

Das überraschende Geständnis Hamadis könnte den Prozeß entscheidend verkürzen. Voraussetzung wäre allerdings, daß er auch über Einzelheiten Auskunft gibt, so daß nicht alle Zeugen gehört werden müßten. Am vergangenen Dienstag erklärte er sich jedoch lediglich dazu bereit, nach der Sommerpause "manche Fragen, nicht alle," zu beantworten.

Diese Ankündigung läßt vermuten, daß der Prozeß so zäh wie bisher weitergehen wird. Von Anfang an hatte es Hamadi verstanden, die Geduld des Gerichts auf die Probe zu stellen. Schon bei der Feststellung der Personalien versuchte er, das Verfahren zu verzögern.