Die Fremdenverkehrswirtschaft im türkisch besetzten Norden der Mittelmeerinsel Zypern blickt optimistisch in die Zukunft. In diesem Jahr werden erstmals mehr als 200 000 Besucher erwartet.

Daß der Tourismus in Nordzypern bisher nicht so recht in Schwung kam, hatte vor allem politische Gründe: Die Ende 1983 ausgerufene "Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Regierung in Ankara diplomatisch anerkannt, von den Vereinten Nationen hingegen als Völkerrechtlich illegal geächtet. So zögerten die meisten großen Reiseveranstalter, Nordzypern in ihre Kataloge aufzunehmen, zumal es bis vor kurzem auch keine direkten Flugverbindungen von Westeuropa in den Norden der Insel gab. Überdies war die touristische Infrastruktur unterentwickelt – nicht zuletzt eine Folge des Wirtschaftsboykotts, den die Zyperngriechen gegen die abtrünnigen Inseltürken verhängten.

Doch nun melden die Hoteliers steigende Besucherzahlen. Allein 1987 schwoll der Urlauberstrom um 40 Prozent an, 1988 rechnet man mit einem weiteren Plus von etwa 20 Prozent. Nach wie vor kommen allerdings die weitaus meisten Touristen aus der benachbarten Türkei und bringen nicht die dringend benötigten Devisen, sondern nur Türkische Lira in die Minirepublik.

Nun soll die nordzyprische Fluggesellschaft Kibris Türk Hava Yollari mehr Westeuropäer einfliegen, die bisher die umständliche Anreise über die Türkei scheuten. Erstmals fliegt die Gesellschaft in diesem Jahr-auch von Wien und München Chartergäste nach Nordzypern. Die türkische Charterfluggesellschaft Istanbul Airlines, die zwischen der Bundesrepublik und Nordzypern fliegt, will 1988 rund 8 000 Bundesbürger befördern – fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Ausländer, die ihren Urlaub in Nordzypern verbringen, müssen allerdings danach auf Ferien im griechischen Süden der Insel verzichten. Denn die auf internationale Anerkennung bedachten Grenzpolizisten im türkischen Norden knallen den Besuchern einen Einreisestempel ihrer Kuzey Kibris Türk Cumhuriyeti (Türkische Republik Nordzypern) in den Paß. Und Reisende mit diesem Sichtvermerk werden an den Grenzen der völkerrechtlich vom Rest der Welt anerkannten Republik Zypern zurückgewiesen.

In der Vergangenheit wiesen auch die Athener Grenzer bisweilen Reisende mit Nordzypern-Stempeln im Paß ab. Inzwischen hat allerdings die EG-Kommission sichergestellt, daß Bürger der Gemeinschaftsstaaten trotz des inkriminierenden Siegels nach Griechenland einreisen dürfen. Gerd Höhler