Lahme Post

Ist Franz Josef Strauß wütend über Bundeskanzler Helmut Kohl, schreibt er ihm einen geharnischten Brief. Englische Politiker verzichten besser darauf, es Strauß gleichzutun und ihrem Unmut über Margaret Thatchers Amtsführung auf dem Postweg Luft zu machen: Die königliche Post behält Briefe derart lange in ihrer Obhut, daß die Wut des Absenders oft schon abgekühlt ist, wenn der Brief beim Adressaten endlich Wirkung zeigt. Zwar schwimmt Britanniens Post gegenwärtig auf einer Erfolgswelle, erzielt auch nach der Privatisierung des lukrativen Telekommunikationsbereichs fette Gewinne und tut dies in riesigen Inseraten kund. Als einzige europäische Post – so das Eigenlob – kommt die britische seit zwölf Jahren ohne Subventionen aus. Die Begeisterung der Briten hält sich jedoch in Grenzen. Seit 1977 vermag die Post nämlich nicht einmal mehr die selbst gesetzten Qualitäts- und Zuverlässigkeitsvorgaben zu erfüllen.

Schmucke Toilette

Von außen würde niemand vermuten, daß die kleine, rosafarbene Treppe gleich neben dem U-Bahn-Eingang Park Koultoury ins Schmuckstück unter den sowjetischen Bedürfnisanstalten führt. Seit drei Monaten wird dieses Klo von einer privaten Kooperative namens "Hygiene" geführt. Sie hat diesem vormals düsteren Ort mit Blumentapeten, sanfter Musik und, dank des Einsatzes einer der zwei Varianten russischer Deodorants, eine lichte, heitere Aura verliehen. Für 20 Kopeken erhält der Benutzer – beachtenswerte Ausnahme im Land – sogar Toilettenpapier. Juri, ehemaliger Linguist, der sich dem einträglicheren Geschäft des Bedürfnisanstaltsleiters zugewandt hat, vermag allerdings den angeblichen Ausspruch einer alten Dame angesichts der Pracht-Toilette "Hier könnte ich sterben..." nicht zu belegen.

Teure Wahlen

Frankreich wählt im Herbst neue Generalräte in den Kantonen, im Übersee-Territorium Neukaledonien steht ein Volksentscheid an – teuere Urnengänge, für die im Staatssäckel das Geld fehlt: Rein buchhalterisch müßten die nächsten Abstimmungen ausfallen, denn Innenminister Pierre Joxe hat seine Schulden bei Druckereien, Fernsehanstalten und der Post für die letzten Präsidentschafts- und Nationalversammlungswahlen noch nicht restlos beglichen. Rund 27 Millionen Mark müssen bis Ende September an Wahlkampfkosten den Kandidaten rückerstattet werden. Joxe-Vorgänger Charles Pasqua hatte allein für die Präsidentschaftswahl 75 Millionen Mark zu wenig veranschlagt und dabei offenbar die Folgen des neuen Wahlgesetzes nicht einkalkuliert. Das sollte eigentlich der "Transparenz des öffentlichen Lebens" dienen, nun läuft’s auf dessen Teuerung hinaus: Im Herbst muß auf Pump gewählt werden.

Treue Weggefährten

Der amerikanische Vizepräsident George Bush ist nicht bloß begeisterter Angler. Entspannung findet er – was weit mehr Aufsehen erregt – auch unter den Mitgliedern einer elitären und geheimnisumwitterten Studentenverbindung mit dem merkwürdigen Namen Skull and Bones ("Schädel und Knochen"). Da die Vereinigung, die angeblich seltsame Rituale pflegt, zusammengesetzt ist aus Leuten privilegierter und blaublütiger Herkunft, versucht Bush heute seine Mitgliedschaft herunterzuspielen. "Schädel-und-Knochen"-Leute behaupten freilich, daß der Vizepräsident im "Grab", dem Treffpunkt der Gruppe, stärker geprägt worden sei als durch politische Ideen. Skull and Bones unterstützt Bushs Wahlkampagne mit Geldern und Ratschlägen. Treue Weggefährten bleiben eben, auch wenn man sie gelegentlich gerne loswürde.