Hamburgische Landesbank spekulierte mit einem Regionalwert,

Von Reinhold Rombach

An der Börse ist – wie im Augenblick – ein klarer Trend oft nicht erkennbar. Zwei genau entgegengesetzte, gleich starke Einflußfaktoren – Zinsen und Dollarkurs – sind der Grund dafür. Die momentan steigenden Zinsen gelten als Gift für die Aktienmärkte, da der Anleger in dieser Situation sein Geld lieber in höherverzinsliche Anleihen investiert. Von einem höheren Dollarkurs indes profitieren zumindest exportorientierte Volkswirtschaften wie die deutsche, denn Produkte made in Germany werden aus der Sicht des Dollarbesitzers billiger. Davon müßte wiederum der deutsche Aktienmarkt profitieren. Aber auch andere Börsenplätze in Hartwährungsländern, wie beispielsweise den Niederlanden oder der Schweiz, sollten vom unerwartet deutlichen Anstieg der US-Valuta positive Impulse erhalten.

Die Experten sind sich im Moment völlig uneins in der Beurteilung des Marktes: Ist der Zinsanstieg gestoppt? Fällt der Dollar nochmals zurück? Und so ist es auch nicht überraschend, daß sich in den vergangenen vier Wochen an den internationalen Wertpapierbörsen nicht viel getan hat. Der Morgan Stanley Weltindex legte in diesem Zeitraum mit einem Plus von 4,87 Prozent kaum zu.

Im Börsenspiel der ZEIT indes veränderte sich einiges. Die Hamburgische Landesbank und die Bank in Liechtenstein schichteten ihr Wertpapierdepot um. Seit Monaten ist den Aktienexperten der Hamburgischen Landesbank die Fortune versagt geblieben, aus dem Startkapital von 100 000 Mark einen angemessenen Zuwachs zu erwirtschaften. Die Hanseaten kamen bislang über einen Gewinn von 5717 Mark nicht hinaus. In dieser Zeit war an den Aktienbörsen im Durchschnitt immerhin das Vierfache dieses Betrages zu verdienen. Höchste Zeit also, Ausschau nach guten Gewinnchancen zu halten.

Große Hoffnungen setzt Wertpapierchef Herbert Koch in den Hamburger Regionalwert Euro-Kai. Bei einem aktuellen Kurs von 92,50 Mark ist der Preis der Aktie nicht nur optisch niedrig, sondern bei einer Dividendenrendite von knapp sechs Prozent auch noch ausgesprochen günstig. Das Management der Hafengesellschaft arbeitet effektiv, die Gewinnaussichten für die nahe Zukunft sind ebenfalls gut – also eine rundum reizvolle Kaufgelegenheit. Hinzu kommt eines: Der Automobilkonzern VW beabsichtigt, ein neuartiges Zentrallager für den weltweiten Versand von VW-Teilen einzurichten. Dort sollen Fahrzeugteile lagern, die später am Bestimmungsort in Mexiko, Südafrika, China oder Japan nur noch zusammengebaut werden müssen. Und die Unternehmensleitung von Euro-Kai in Hamburg rechnet sich gute Chancen aus, von VW den Auftrag für das Lager zu erhalten. Schließlich bewerben sich nur noch Emden und Bremen um den Standort. In der Hansestadt selbst gibt es lediglich mit der Hamburger Hafen- und Lagerhaus AG einen weiteren Mitbewerber.

Herbert Koch entschloß sich am Freitag, dem 29. Juli, diese Chance wahrzunehmen. Der Verkauf des um 12,75 Prozent gestiegenen niederländischen Verlagswertes de Telegraaf (Verkaufskurs umgerechnet 262,47 Mark) brachte 22 980,40 Mark ein, die für Euro-Kai eingesetzt wurden. Doch damit nicht genug. Auch der Kassenbestand von 18 590 Mark wurde zum Erwerb des Hafenwertes aufgewandt.