Ob Otto Graf Lambsdorff, Bewerber um den Vorsitz der FDP, das Darlehen ganz oder teilweise zurückzahlen muß, das ihm die Bundesregierung zur Führung seines Flick-Prozesses vor dem Bonner Landgericht gewährt hat, hängt von der Festsetzung der Prozeßkosten durch das Landgericht ab (siehe Bonner Kulisse vom 5. August 1988). Das hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Bonner Wirtschaftsministerium, Erich Riedl, auf Anfrage des SPD-Abgeordneten Rudolf Schöfberger mitgeteilt. Riedl hatte weiter erklärt, die Kostenrechnung liege immer noch nicht vor, und zwar "trotz der vom Wirtschaftsministerium unterstützten Bemühungen der Verteidigung". Das hörte sich an, als habe das Landgericht eine recht lange Leitung. Immerhin ist der Prozeß gegen Lambsdorff schon seit anderthalb Jahren abgeschlossen – Freispruch für den Grafen in Sachen Bestechlichkeit, Verurteilung in Sachen Steuerhinterziehung. Bei Gericht allerdings weiß niemand etwas von den Bemühungen des Wirtschaftsministeriums und der Verteidigung, endlich eine Kostenrechnung zu erhalten. Die aber ist notwendig, um zu klären, welaus Prozeßkosten dem Grafen aus der Staatskasse erstattet werden. Die Kostenrechnung kann erst dann erstellt werden, wenn dem Gericht ein Antrag auf Prozeßkostenerstattung vorliegt. Das aber ist bislang nicht der Fall. Das von Erich Riedl beklagte Versäumnis ist mithin nicht dem Bonner Landgericht anzulasten, sondern Otto Graf Lambsdorff. Ihm steht rechtlich eine Erstattung der Kosten für den Teil des Prozesses zu, der mit einem Freispruch geendet hat. Und von diesem Geld könnte das Darlehen – 515 000 Mark – getilgt werden, zumindest teilweise. Soweit dann noch ein Rest bleibt, wird auf die Rückzahlung verzichtet. Das Privileg einer Prozeßkostenhilfe genießen Beamte inklusive Minister, wenn sie wegen eines Deliktes im Amt angeklagt sind.

Die Sonne bekommt eine Lobby. Schon in Kürze wird in Bonn eine "Vereinigung für das solare Energiezeitalter e.V." unter dem Namen "Eurosolar" gegründet. Ziel der Vereinigung ist die Förderung der Energieversorgung mit unerschöpflichen Energien wie Sonne, Wind und Wasser und die Ablösung der konventionellen Energien und der Kernenergie. Initiator von "Eurosolar" ist der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer. Die Vereinigung soll unabhängig von Institutionen sein und alle europäischen Kräfte bündeln, die sich für eine solare Energiewirtschaft engagieren. MdB Scheer: "Die Durchsetzung einer solaren Energiewirtschaft ist die Jahrhundertaufgabe, die bereits jetzt angepackt werden muß. Zur Erhaltung der Lebensgrundlage auf unserem Erdball befinden wir uns in einem Wettlauf mit der Zeit."

Der Protokollchef des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) in Bonn Heinz Commer, hat seinen dritten "Ratgeber" auf den Markt gebracht. Nach dem "Managerknigge" und dem "Knigge International" erschien jetzt bei Econ Commers "Karriere-Kompaß" mit allerlei Berufstips für Ein- und Aufsteiger inklusive Hinweisen fürs Obenbleiben. Hierzu hat Commer sich allerdings ein Kapitel verkniffen, das sich mit dem in Bonn in Mode gekommenen Machterhalt per Aussitzen beschäftigt. Commer setzt auf Methoden, die schon länger erprobt sind, zum Beispiel auf das Anhäufen von Ämtern und Ehren: Je zahlreicher und hochrangiger die von uns gewonnenen oder eingenommenen Ämter und vor allem Ehrenämter und Ehrenzeichen sind, umso unangreifbarer ist unsere Position. Mehrere oder gar viele Ehrenämter und Ehrenzeichen lassen eine Situation entstehen, in der unsere Position von potentiellen Bewerbern und Konkurrenten nicht in Frage gestellt werden kann." Wolfgang Hoffmann