Von Peter De Thier

ZEIT: Herr Minister, die amerikanische Regierung zieht nach sieben Jahren Reaganomics eine positive Bilanz. Sie verweist auf die niedrigste Arbeitslosenrate seit vierzehn Jahren, ein Wachstum von über drei Prozent und Preisstabilität, die nun aber leicht ins Wanken gerät. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Konjunktur ein, vor allem im Hinblick auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl?

Verity: Inflationsfreies Wirtschaftswachstum, eine Halbierung der Zinssätze und die Schaffung von siebzehn Millionen neuen Arbeitsplätzen innerhalb von acht Jahren sind in der Tat bemerkenswerte Erfolge. Zahlen wie diese kommen aber nicht von ungefähr. Sie unterstreichen vor allem, daß der wirtschaftspolitische Kurs unter Präsident Reagan der richtige war. Die Kombination aus Steuersenkungen, Deregulierung und umfangreichen Ausgabenkürzungen war das Rezept, mit dem wir nach den Fehlern der vorangegangenen Regierung das Ruder wieder herumreißen konnten. Es ist doch geradezu ein Wunder, daß in den Vereinigten Staaten siebzehn Millionen neue Stellen geschaffen wurden, während in Europa die Arbeitslosenzahlen noch stiegen. Mit einer Regierung, die Garant ist für eine Fortsetzung der bisherigen Linie, kann es auch weiter aufwärts gehen.

ZEIT: Es war aber gerade Ihre Regierung, unter der sich das Haushaltsdefizit auf über 150 Milliarden Dollar ausgeweitet hat. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Michael Dukakis sagte neulich, wenn ein Land acht Jahre lang "auf Kreditkarte lebt", müßte irgendwann "die Rechnung beglichen werden". Wem wird denn die Rechnung zugestellt, und wann ist sie fällig?

Verity: Wenn wir die Zuwachsrate der öffentlichen Ausgaben wie bisher auf vier Prozent jährlich begrenzen und die Wirtschaft im jetzigen Tempo weiterwächst, wird der Bundeshaushalt bis 1993 ausgeglichen sein.

ZEIT: Und wie sieht es mit dem Handelsdefizit aus?

Verity: Die Regierung rechnet allein in diesem Jahr mit einem Rückgang von fünfzehn Prozent, und der Trend wird sich mit Sicherheit fortsetzen. Die Qualität amerikanischer Produkte ist gestiegen, sie werden besser vermarktet und sind nun international konkurrenzfähiger geworden. Amerikanische Unternehmen lernen das Exportgeschäft, mit dem sie bisher kaum vertraut waren, jetzt erst richtig kennen. Ich erwarte daher nicht nur ein Anhalten des Exportbooms, sondern außerdem eine bedeutende Verringerung der Importe.