Deutsche Iberia-Fonds investieren in Spanien und Portugal

So schnell ändern sich die Zeiten. Vor zwei, drei Jahren noch winkten Anlageberater der Großbanken entsetzt ab, wenn ein Kunde spanische oder gar portugiesische Aktien ordern wollte. Dies seien doch Exotenbörsen, bei denen man wegen der Enge des Marktes schnell hinein, aber kaum wieder herauskäme. Obendrein flössen die so wichtigen Informationen über die Aktiengesellschaften nur spärlich, hieß es.

Doch spätestens seit dem Eintritt der beiden iberischen Staaten in die Europäische Gemeinschaft (EG) gewinnen auch institutionelle Investoren wie Banken und Versicherungen Geschmack an der dynamischen Entwicklung der Aktienbörsen von Madrid und Lissabon. In der Tat sind die ökonomischen Perspektiven der beiden Länder beeindruckend. In nahezu allen Bereichen der Wirtschaft besteht ein erheblicher Nachholbedarf, der überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten erwarten läßt. So wuchs das portugiesische Bruttosozialprodukt im vergangenen Jahre um 4,7 Prozent, das spanische im selben Zeitraum gar um 5,2 Prozent. Besonders die spanische Wirtschaft kann mit imposanten Erfolgen aufwarten: Die Inflationsrate konnte von 8,8 Prozent vor zwei Jahren auf knapp über drei Prozent im laufenden Jahre gedrückt werden. Gleichzeitig summierten sich die Devisenreserven auf umgerechnet gut 68 Milliarden Mark, was den Spaniern Rang sechs der Weltrangliste einbrachte. Großereignisse wie die bevorstehende Weltausstellung in Sevilla und die 1992 in Barcelona stattfindende Olympiade lassen starke Impulse für die spanische Wirtschaft erwarten.

Das alles ist Grund genug für zwei deutsche Großbanken, auch ihren Wertpapiersparern die Kurschancen an der Bolsa de Madrid und der Bolsa de Valores de Lisboa zu erschließen.

Anfang August legten die zur Deutschen Bank zählende Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen (DWS) und der Deutsche Investment-Trust (DIT), ein Tochterunternehmen der Dresdner Bank, je einen Iberia-Fonds auf. Die Ausgabepreise unterschieden sich nur geringfügig. Ein Anteil am DWS Iberia-Fonds kostete den Erstzeichner genau 80 Mark, während beim DIT-Fonds Iberia 75 Mark zu bezahlen waren. Beide Fonds dürfen die gleichen spanischen und portugiesischen Wertpapiere erwerben, also Aktien, Wandelschuldverschreibungen, Optionsanleihen und Optionsscheine, daneben aber auch festverzinsliche Wertpapiere. Es ist beabsichtigt, den Anlageschwerpunkt auf spanische Titel zu legen.

Die Absatzerfolge der beiden Fondsgesellschaften können sich sehen lassen. Beim DWS-Iberia beläuft sich der Mittelzufluß auf 170 Millionen Mark und beim DIT-Fonds auf annähernd 100 Millionen Mark. Wieviel Geld davon schon in spanische und portugiesische Wertpapiere investiert ist, darüber geben die Verantwortlichen der Fonds nur ungern Auskunft. DWS-Portfoliomanagerin Elisabeth Weisenstein: "Wir haben zur Zeit nicht mehr als die Hälfte des Geldes angelegt." Etwas konkreter äußert sich Heinz-Jörg Platzek, einer der Geschäftsführer des DIT. Nach seiner Aussage sind etwa fünfzig Millionen Mark bereits investiert, davon wiederum zwei Drittel in festverzinslichen spanischen Obligationen und lediglich ein Drittel in Aktien. Bei den Dividendentiteln bevorzugten die DIT-Experten die Branchen Banken, Energie und Telekommunikation.

Von einem für den Anleger erfreulichen Auftakt kann gleichwohl nicht die Rede sein. Nach fünfzehn Tagen liegt der Rücknahmepreis des DWS Iberia-Fonds bei 77,60 Mark, und der DIT nimmt die Anteile zum Stückpreis von 71,12 Mark zurück. Kritiker der neuen Großbanken-Engagements sind denn auch der Auffassung, die Deutsche und die Dresdner Bank hätten die beiden iberischen Börsen zu spät für ihre Kundschaft entdeckt, denn die positiven Wirtschaftsdaten seien längst in den Kursen vorweggenommen.