Auftritt Lothar Späth, im tiefsten Sommerloch, noch dazu an einem dieser Abende, an dem auch das letzte Lebewesen das Bundesviertel verlassen zu haben scheint. Selbst die Natur paßt sich an: reglos unter dem Hitzehimmel. Dennoch dieses Pressegespräch, ganz ungewöhnlich. "Ein Imbiß wird gereicht." Will der Ministerpräsident, das Cleverle, womöglich auch ein politisches Faß aufmachen?

Aber nein, Lothar Späth ist, angeblich, nur mal vorbeigekommen, auf der Rückreise von seinem Urlaub. Kein Statement, gleich Fragen, bitte. Also geht es eine gute Weile quer durch den Gemüsegarten, von der Verlängerung der Beamtenmittagspause bis zur Zusammenlegung der südwestdeutschen Rundfunkanstalten.

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Doch zuweilen lehnt sich Lothar Späth, über Currygeschnetzeltem und Grauburgunder, behaglich zurück. Dann hat er Stichworte, die ihm schmecken. Das wütige Geraufe um die Milliarden zum Beispiel, die Ernst Albrecht Bonn für die minderbemittelten Regionen der Republik abgepreßt hat: "Ich bin der einzige, der da nichts will." Schon sitzt der erste Pinselstrich am Bilde eines Ministerpräsidenten, der einem grundsoliden Land vorsteht, dem einzigen.

Aber nicht nur das. Er wird auch die Verfassung hüten und peinlich genau darauf achten, daß die Albrecht-Milliarden exakt nach dem Maßstab jenes Grundgesetzartikels verteilt werden, der besondere Finanzhilfen des Bundes für Länder und Gemeinden nur dann erlaubt, wenn sie das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht ausbalancieren sollen. Und nun ist der Bogen schon fast geschlagen: zu den Zukunftsinvestitionen und den Notwendigkeiten der Republik überhaupt.

Dort angekommen, lehnt sich Späth vollends wie in einem Regiesessel zurück. Das schreckliche Gezänk um die Steuerreform? Da seien die Bürger durch zu viel Streit und Details verwirrt worden. Jetzt aber, nachdem die Konjunktur wieder aufblühe, vielleicht doch geringere Aufschläge auf Benzin und Zigaretten? Im Gegenteil, es gehe nicht an, den Konsum niedrig und Infrastrukturausgaben hoch zu besteuern. Ohnehin dürfe man jetzt nicht wackeln. Und die Kardinalprobleme könnten sowieso nicht im Parteienstreit gelöst werden.

Da wird dann etwas schwebend wirksam, eine unausgesprochene Botschaft: Hier ist einer, der weit vorausdenkt, der nicht über Kieselsteine stolpert, der auch Parteigrenzen übersehen kann. Eine Reservemacht, ein Mann für alle Fälle. Tupfer am Image, die eines Tages aufleuchten könnten. Eine persönliche Zukunftsinvestition, ganz unverfänglich in einer so sommerlich legeren Runde.