Hartnäckig fordern Koalitionspolitiker mehr Geld von der Regierung für alternative Energien

Ein konservativer Abgeordneter, vernarrt in die Lieblingsidee von Grünen und Alternativen, nervt Parteifreunde und Bonner Regierung. Seit Monaten agiert der CDU-Parlamentarier Erich Maaß als Wortführer einer Gruppe von Unions- und FDP-Politikern, denen die Regierung zu wenig für alternative Energien tut. Erst brachten sie Bürokraten und Minister mit einer wirklich großen parlamentarischen Anfrage auf Trab. Nun reichen Maaß nicht einmal die vielen Worte, mit denen das Kabinett antwortete. Geschickt nutzte er die nachrichtenarme Sommerzeit und setzte noch einen drauf: Mit mehr als zwei Milliarden Mark soll Bonn in den nächsten zehn Jahren ein Windenergieprogramm fördern.

Nach Airbus und Bauern, Kohle und Chips, Stahl und Werften ein weiterer Fall für Subventionen. Da streuben sich den marktwirtschaftlichen Puristen die Haare. Milliarden sollen die Steuerzahler spendieren, damit ein paar Windräder in der Republik gerade soviel Energie liefern wie ein einziges Kohlekraftwerk, das nur gut die Hälfte kostet. Die Propeller leisten keinen nennenswerten Beitrag zur Versorgung der Volkswirtschaft, sie ersetzen kein einziges Atomkraftwerk und der Treibhauseffekt, die Erhitzung der Erdatmosphäre infolge der Verbrennung fossiler Rohstoffe, wird auch nicht merkbar gemindert – schon gar nicht weltweit. Und das ist wohl die einzig richtige Perspektive für eine vernünftige Energiepolitik. Eine wahrhaft windige Idee?

Nur auf den ersten Blick. Bei näherer Betrachtung kehrt sich die Logik nämlich um. Nicht Maaß und seine Kollegen liegen schief, weil Energiepolitik nun einmal nur im weltweiten Zusammenhang gesehen werden kann, sondern das Gegenteil ist richtig: Wer weltweit und langfristig denkt, erkennt, daß die Bonner Querdenker auf dem richtigen Weg sind. Aktuelle Studien zum Weltenergieverbrauch bestätigen das eindrucksvoll, etwa eine weltweit anerkannte Projektion bis zum Jahr 2060, die vor zwei Jahren auf der Weltenergiekonferenz in Cannes vorgelegt wurde. Ausgehend vom Wachstum der Weltbevölkerung und dem Energiebedarf der Entwicklungsländer, die ihre Volkswirtschaften ausbauen, wird folgendes prognostiziert: Die Produktion des Atomstroms müßte sich in diesem Zeitraum verzwanzigfachen. Da dies mit traditionellen Leichtwasserreaktoren nicht möglich ist, kämen dafür nur schnelle Brüter in Frage. Doch selbst bei dieser Erhöhung des atomaren Risikos wäre der Treibhauseffekt noch nicht entschärft. Der Ausstoß von Kohlendioxid mit katastrophalen Folgen für das Klima würde sich verdoppeln. Um auch das zu verhindern, indem etwa auch Kohlekraftwerke durch Atomreaktoren ersetzt werden, müßte weltweit an jedem dritten Tag ein Meiler gebaut werden – schon ökonomisch eine absurde Strategie.

Wer eine sichere Energieversorgung ohne wachsendes atomares Risiko will, der wird sich von traditionellen Denkschablonen verabschieden müssen. Es geht nicht mehr darum, den Bedarf nach dem Beispiel der Industriestaaten hochzurechnen und zu fragen, wie er – kapitalintensiv und großtechnisch – gedeckt werden kann. Es geht um eine "Effizienzrevolution", um die bessere und intelligentere Nutzung natürlicher und erneuerbarer Rohstoffe, und das gerade in den Ländern, deren ökonomische Entwicklung erst beginnt.

Wer anders als die Industrieländer, die Geld und Wissen haben, sollte die Voraussetzung dafür schaffen? Nach Lage der Dinge, also der gegenwärtigen Energiepreise, wird dies nicht ohne staatlichen Einfluß, auch Subventionen gehen. Die Entscheidungen müssen jetzt fallen. Und allzu puristische Subventionskritiker mögen dabei bedenken: Wer sich heute auf die Revolution vorbereitet, kann morgen daran verdienen. Rainer Hupe